Abenteuer ohne Ende

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Amerikas Adventurespezialist Nr. 1 kennt keine Gnade für Gestreßte Redakteure: Wir haben uns noch gar nicht richtig von der Sommerpause erholt, da stapeln sich die aktuellen Amiga-Versionen aus dem Hause Sierra auch schon turmhoch auf unseren Schreibtischen...

Gespannt waren wir vor allem darauf, ob Sierra die verbesserte Benutzerführung aus "Hero's Quest" (Kurzkommandos, etc.) weiter verfeint hat. Tja - leider Fehlanzeige! Die neuen Games bieten zwar etliche Verbesserungen im Detail, aber grundsätzlich ist doch alles beim "Altbewährten" geblieben. Das heißt: Gesteuert wird mittels Maus oder Tastatur, die Befehle müssen nach wie vor umständlich per Tastatur eingegeben werden, die Ladezeiten der einzelnen Screens sind relativ lang, und die Animationen sind auch nicht wesentlich flotter geworden. Dafür wächst die Zahl der Gamedisks unaufhörlich, stolze sechs sind das derzeitige Maximum...

King's Quest IV
The Perils of Rosella

Die neue Episode aus der unendlichen Geschichte des Königreiches Daventry beginnt mit einer zehnminütigen Filmsequenz, die den Spieler in die Handlung einführt: Müde von den Strapazen seines abenteuerreichen Lebens, beschließt König Graham, sich nunmehr zur Ruhe zu setzen.

Just in dem Moment, als er seine Absicht kundtut, bricht er vor den Augen seiner Lieben zusammen. Während er mit dem Tode ringt, erscheint seiner Tochter Rosella die gute Fee Genesta und erzählt ihr von einer lebensspendenden Frucht, die Papi wieder auf die Beine bringen könnte.

Zwei Haken hat die Sache: Das Obst wächst irgendwo am Ende der Welt, genauer gesagt im schönen Lande Tamir; außerdem verlangt die gute Genesta als Gegenleistung ihren Talisman zurück, den die böse Fee Lolotte geklaut hat - und zwar innerhalb von 24 Stunden!

Die Aufgabe wäre somit klar: Man begleitet die holde Prinzessin auf ihrem schwierigen und gefährlichen Weg durch die Märchenwelt, immer auf der Suche nach Frucht und Talisman. Dabei bekommt man es mit den Sieben Zwergen, dem Froschkönig, allerlei Hexen und sonstigen mythischen Fabelwesen zu tun.

Das Spiel ist nicht sonderlich schwierig, wenngleich auch nicht immer sofort zu durchschauen ist, was man nun zu tun hat und wie man es am dümmsten anstellt. Die Devise lautet daher: Alles genauestens untersuchen, jeden Strohhalm umdrehen und probieren, immer wieder probieren. Mit dem "Look" Befehl erfährt man zwar, was sich gerade alles auf dem Screen befindet, aber leider nicht, was davon auch tatsächlich wichtig ist (Englischlexikon bereithalten!).

King's Quest IV ist ein klassisches Sierra-Game mit allen typischen Vor- und Nachteilen, wobei vor allem der unausgereifte Parser negativ zu Buche schlägt. Handlung und Aktionen bauen aufeinander auf, hat man eine Aufgabe nicht gelöst, ist an ein Weiterkommen oft nicht mehr zu denken (tja, speichern Leute, speichern!).
Besonders angenehm fällt dagegen die reichlich vorhandene und stimmungsvolle Musik auf.

Police Quest 2
The Vengeance

Vergessen wir für einen Moment die märchenhafte Romantik - im zweiten Teil von Jim Walls' Polizistensaga ist knallharter Realismus angesagt! Mit dem gerade frisch ins Morddezernat beförderten Detective Sonny Bonds darf man sich auf die Suche nach einem flüchtigen Schwerverbrecher machen.

Wie schon beim Vorgänger werden auch hier detaillierte Einblicke in den typischen Tagesablauf eines amerikanischen Cops geboten. All die herrlich aufregenden Routinetätigkeiten wollen erledigt (sogar seine Knarre muß man erstmal einschießen!) und alle Dienstvorschriften genauestens eingehalten werden, sonst gibt's Ärger mit dem Boß.

Gemeinsam mit einem kettenrauchenden Kollegen (der am liebsten nur abseilt) streift man durch die Straßen von Lytton, sucht, untersucht und besucht. In erster Linie ist zwar Grips gefragt, aber es tauchen auch ein paar Actioneinlagen auf, bei denen man ein bißchen ballern, mit dem Jet rumfliegen oder auf Unterwasserabenteuer gehen darf.

Wie genau es der Expolizist Jim Walls mit dem Behördenalltag genommen hat, merkt man schon beim Durchblättern des (englischen) Handbuchs: Schußwaffengebrauch, Einsatz des Spurensicherungskoffers, Sprechfunk-Codes und einschlägige Gesetzesvorschriften werden gründlichst beschrieben.

Die Benutzerführung (Maus/Tastatur) entspricht weitgehend der bei "King's Quest IV", die Grafik ist von üblicher Sierra-Qualität. Soundmäßig sind während des Vorspanns satte 12 Musikstücke geboten, danach wird's ziemlich ruhig.

Mit seiner interessanten und realistisch umgesetzten Story ist Police Quest II das richtige Game, um seinen kriminalistischen Spürsinn mal in der harten Computerpraxis zu erproben!

Code-Name: Iceman

Immer bloß nach (Polizeit)Vorschrift, das war Jim Walls auf Dauer wohl zu langweilig. Iceman, der Held seiner Agentenstory, wirkt denn auch wie eine Mischung aus James Bond und Larry Laffer - immer umschwärmt und fast immer im Einsatz...

Zu Beginn des Spiels befindet er sich allerdings im Urlaub; standesgemäß auf einer Karibikinsel voller Strandschönheiten. Die Idylle ist jedoch von kurzer Dauer: Kaum hat man sich die ersten Punkte verdient (hübsche Mädchen vor dem Ertrinken retten und so), ruft schon wieder die Pflicht, bzw. der Boß. Dann darf man all die Aufgaben lösen, von denen gewöhnliche Streifenpolizisten nur träumen können: Geiseln befreien, mit dem U-Boot herumfahren, usw.

Trotz der glamourhaften Story ist die Spielhandlung letztlich ein bißchen dünn. Die auf der Packung groß herausgestellte U-Boot-Fahrt ist doch eher eine Schmalspur-Simulation und keinesfalls "state-of-the-art". Bei der Steuerung hat man einige Verbesserungen vorgenommen: Die Spielfigur läuft selbstständig zu den angeklickten Objekten hin (dabei kommt es gelegentlich zu Mißverständnissen, etwa bei den vielen Frauen...), und der Screen läßt sich jetzt auch mit der Maus absuchen. Das bedeutet nicht, daß die Handhabung nun über alle Zweifel erhaben wäre: Fünf Disketten wollen gewechselt werden, der Parser versteht meist nur die Hälfte und das auch noch falsch - das Spiel ist nicht gerade ein Meisterwerk der Programmierkunst.

Die Grafik ist wunderschön anzuschauen, lediglich die Animationen könnten manchmal etwas schneller sein. Mit Abstand am besten gelungen ist auch hier mal wieder der Sound.

Conquests of Camelot
The Search for the Grail

Amiga Joker HitDer altbekannte Stoff von König Arthur, seiner Tafelrunde und der ewigen Sucherei nach dem heiligen Grail lieferte die Vorlage zu diesem Mantel & Degen-Adventure. Versoftet hat ihn Christy Marx, die im "richtigen Leben" Stories für amerikanische Fernseh-serien schreibt.

Das Spiel beginnt auf Camelot, wo sich Arthur erstmal für die lange Reise wappnen muß. So holt er die Rüstung aus dem Schrank, besorgt das nötige Kleingeld und den Reisekoffer, schwatzt noch mal kurz mit seinem Haus- und Hofzauberer Merlin, knutscht ein letztes Mal mit der Gattin, und schon kann's losgehen.

Die Aufgabenstellung dürfte seit mehreren hundert Jahren bekannt sein: Finde den heiligen Grail! (Und wenn's geht, auch noch einige der Jungs, die auf der Such nach dem Ding spurlos verschwunden sind...).

Das Game überzeugt durch "mittelalterliches" Flair, angefangen mit der sechs Disketten verschlingenden Grafik, bis hin zum großartigen Sound. Zusätzlich hat Christy ihrem Arthur ein paar Actionsequenzen (mit einstellbarem Schwierigkeitsgrad) spendiert, in denen er unter anderem dem Schwarzen Ritter einheizen und sich mit einem "Mad Monk" amüsieren darf.

Die Handhabung wird durch praktische Kurzkommandos erleichtert (z.B. Look at... und Ask about...), wie man sie schon aus "Hero's Quest" kennt. Wer gar nicht mehr weiter weiß, kann auch die Hilfe des alten Merlin anrufen.

Ein bißchen störend sind lediglich die Rätsel, deren tieferer Sinn oft auch nach ihrer Auflösung noch rätselhaft bleibt. Aber insgesamt ist Conquests of Camelot vielleicht sogar das schönste Spiel, das Sierra bisher herausgebracht hat!

Conquests of Camelot
The Colonel's Bequest

Der alte Colonel Dijon spürt, daß es mit ihm zu Ende geht. Deshalb hat er seine ganze Sippschaft zur Bekanntgabe seines Testaments eingeladen; jeder soll das gleiche Stück vom Kuchen bekommen.

Wer Agatha Christie auch nur dem Namen nach kennt, weiß, was jetzt kommen muß: Alle beginnen darüber nachzudenken, daß ihr Erbteil umso größer ausfällt, je weniger Erben es insgesamt gibt. Und eine(r) von ihnen läßt dem Gedanken auch schon bald Taten folgen...

In der Rolle von Laura (einer Freundin der jungen Nichte des Colonels) versucht der Spieler den Mörder zu entlarven. In schönster Sherlock Holmes-Manier kann man überall herumschnüffeln, sich mit den Anwesenden unterhalten und durch verborgene Gucklöcher fremde Gespräche belauschen.

Es ist sogar möglich, Gegenstände, die man gefunden hat, zu untersuchen, anderen zu zeigen oder zu geben. Ungewöhnlich ist auch der Aufbau des Spiels: Es ist in einzelne Akte unterteilt, wie ein Theaterstück. Mehr noch - sobald der Vorhang nach dem letzten Akt gefallen ist, ist das Spiel zu Ende, ob man den Fall gelöst hat oder nicht! Allzuoft wird das aber nicht passieren, denn spätestens nach dem dritten Durchlauf hat wohl jeder den Übeltäter gefunden. Schade, denn damit ist die Motivation natürlich dahin.

Ansonsten aber nur Lob: Grafik und Sound sind sehr stimmungsvoll, vor allem die Schatteneffekte und die Animation sind eine Wucht. Das Spiel ist "intelligent", d.h. Wenn man einen bestimmten Raum mehrmals durchsucht, kann sich zwischenzeitlich etwas verändert haben, genauso wie die anderen Spielfiguren "wissen", ob man sich schon mal mit ihnen unterhalten hat

Dazu gibt's nach jedem vorzeitigen Spielende Tips für den nächsten Durchlauf, und die Packung ist randvoll mit Begleitmaterial - fast schon Verhältnisse wie zu seligen Infocom-Zeiten!


Schreiten wir zum Resümee: Auch bei Sierra ist der "Charme der frühen Jahre" langsam aber sicher kaltem Professionalismus gewichen - kein Wunder, wenn man Spiele wie am Fließband produziert! Zwar sind Grafik und Sound ständig besser geworden, aber wir mußten feststellen, daß oft schlampig umgesetzt wurde.
Manche der Games wollen z.B. auf 2000ern nicht laufen, Testen vor Kaufen heißt hier die Devise. Aber sonst: Wenn man in Kalifornien weiter an der Handhabung arbeitet und vor lauter Quantität die Qualität nicht aus den Augen verliert, dürften uns allen noch viele abenteuerliche Stunden bevorstehen! (wh/mm)

  King's Quest IV Police Quest II Code-Name: Iceman Conquests of Camelot The Colonel's Bequest
Grafik 74% 71% 76% 79% 76%
Sound 76% 70% 78% 80% 73%
Handhabung 69% 69% 63% 76% 75%
Spielidee 64% 70% 61% 72% 84%
Dauerspaß 72% 74% 69% 87% 62%
Preis/Leistung 70% 70% 68% 81% 69%
Red. Urteil 75% 76% 69% 85% 71%
Schwierigkeit Anfänger Fortgeschrittene Fortgeschrittene Fortgeschrittene Anfänger
Preis ca. 129,- DM ca. 129,- DM ca. 119,- DM ca. 119,- DM ca. 129,- DM
Bezug Frank Heidak Frank Heidak Frank Heidak Frank Heidak Frank Heidak
Die angegebenen Preise verstehen sich einschließlich Lösung(!) und dt. Anleitung bei F. Heidak