Die Letzten werden die Ersten sein...

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Nach dem nachfolger kommt jetzt der Vorgänger! Nix verstehen? Also: Noch vor dem Vorgänger kam der Nachfolger. Noch immer unverständlich? Gut, im Klartext: Nach "Champions of Krynn" ist jetzt endlich die Amiga-Version des ersten AD&D-Rollenspiels von SSI erschienen!

Verwirrt? Noch unübersichtlicher wird die Angelegenheit, bedenkt man, das zwischen Pool of Radiance und "Champions of Krynn" ja "Curse of the Azure Bonds" liegt - mal sehen, wann der Mittelteil der Dragonlance-Saga nachgereicht wird. Und um das Verwirrspiel auf die Spitze zu treiben, verraten wir Euch jetzt, dass die Amiga-Umsetzung diesmal wieder vom Strategiespezialisten SSI vertrieben wird, jedoch in der französischen Software-schmiede UBI-Soft erstellt wurde! Da Pool of Radiance auf anderen Systemen als das bessere Spiel gilt als der "verfrühte" Nachfolger, waren wir natürlich besonders gespannt...

Wie gewohnt, steht am Anfang die Erschaffung einer sechsköpfigen Party nach allen Regeln der AD&D-Kunst. Im Spielverlauf können sich noch zwei Nicht-Spieler-Charaktere zur Mannschaft gesellen, die einerseits die Kampfkraft der Truppe stärken, anderseits aber auch ein Stück vom Beute-Kuchen wollen. Das Abenteuer beginnt im zivilisierten Teil der Stadt Plan, deren übrige Bezirke durch stark erhöhtes Monsteraufkommen schon ziemlich heruntergekommen sind. Grundsätzlich ist zu klären, wer hinter der bösen Macht steckt, die den Niedergang des einst stolzen Landstrichs herbeigeführt hat - sobald man den Feind kennt, muss er natürlich auch vernichtet werden... Zunächst werden aber kleinere Brötchen gebacken: Vom Gouverneur erhält man verschiedene Aufträge, deren Erledigung sich in Gold, Ausrüstung und Erfahrungspunkten bezahlt macht.

Neben der riesigen Stadt gibt es noch die Wildnis mit ihren zahlreichen Schlössern und Pyramiden. Während Strassen und Dungeons in 3D-Sicht dargestellt sind, sieht man das Geschehen auf freiem Feld aus der Vogelperspektive; trifft man auf Gegner, wird auf einen Kampfschirm umgeschaltet. Eine willkommen Hilfe beim Kartographieren bietet die Automapping-Funktion, leider versagt sie des öfteren ihren Dienst. Insgesamt aber geht die Benutzerführung in Ordnung, zumal das ausgefeilte Kampfsystem allerlei taktische Finessen zuläßt.

Was die Präsentation betrifft, hat man sich in Frankreich allerdings nicht so viel Mühe gegeben: Die Grafiken sind zwar stimmungsvoll, haben uns aber bei "Champions of Krynn" besser gefallen; vor allem der Bildschirmaufbau (und damit der Spielfluss) ist langsamer. Auch die Sound-FX sind nochmals schwächer, dafür klingen die Musikstücke jetzt etwas besser. Viel wichtiger ist aber, dass hier der Schwierigkeitsgrad deutlich höher liegt - Rätsel gibt es auch viel mehr zu knacken! Profi-Abenteurer finden also den ersehnten Spielspaß für Wochen, Einsteiger hingegen werden sich an dieser harten Rollenspiel-Nuss die Zähne ausbeißen.
(Sönke Klettner)