Der Spätzünder

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Wunder dauern etwas länger: Bereits vor weit über einem Jahr kündete Max Design erstmals von diesen Plattformabenteuern - zwischenzeitlich haben die österreichischen Landsleute von Neo übernommen und dem exklusiven Amiga-Aktionisten den finalen Feinschliff spendiert.

Cedric füllt auf wunderbare Weise eine weit und auch schon lange klaffende Marktlücke aus, denn wirklich anspruchsvolle Plattform-Action hat der Amiga seit den seligen Tagen von "Beast III" und "Arabian Nights" nicht mehr gesehen.

Das ist auch den hier für Gamedesign und Coding verantwortlichen Demologen und "Oldtimer"-Programmierern von Alcatraz nicht entgangen, also machen sie sich Mitte 1994 an die Arbeit...

Im großen Buch der Digi-Märchen bzw. der entsprechend aufgemachten Anleitung ist die Sage um Cedric in mittelälterlichen Fantasy-Lettern niedergeschrieben: Es steht die Rückholung eines gestohlenen Königsszepters an, die den Helden mit vielen Monstern und teilweise sehr harten Rätselnüssen konfrontieren wird - sein Lenker sollte also eine Extraportion Geschick, ausreichend Durchsetzungsvermögen sowie genügend Knobelinstinkt mit auf die Plattformen bringen.

Letztere verteilen sich auf elf umfangreiche Schauplätze, wo die verschiedensten Unteraufgaben der Erledigung harren. Die Expedition started im lichten Forst, wo fleischfressende Pflanzen, angriffslustige Insekten, reißende Wasserfälle und scheinbar unüberwindbare Schluchten das Lösen des ersten Hauptproblems erschweren.

Was das sein mag, weiß der Spieler zunächst freilich nicht, erst nach und nach stellt sich heraus, daß ein leckes Ruderboot seetüchtig zu machen ist. Dazu werden Planken gesammelt und Feuerstellen in Brand gesetzt, man nutzt in Fässern verborgenen Teer als Dichtmittel und montiert verrottete Tragseil-Mechanismen.

Im weiteren Spielverlauf sind noch viele vergleichbare Aufgaben zu absolvieren, wobei ein Schwätzchen mit Einheimischen oft für manchen Lösungstip gut ist. Praktisch setzt sich das Abenteuer jedenfalls im Dickicht der Großstadt fort, wo fallende Ziegel, Ratten und verschlossene Tore die weitere Reise in den Gruselwald erschweren.

In dessen Ästen warten wiederum begehbare Pendel und Morgensterne darauf, bei fatalem Kontakt am begrenzten Energievorrat unseres Helden zu knabern. Es folgen kritische Hüpfabschnitte auf schwimmenden Holzhoblen und Grasinseln, bei denen es verschärft aus das exakte Timing ankommt, dann Ausflüge ins Polarland mit seinen bösartigen Schneemännern.

Noch später reitet Cedric auf dem Rücken eines Adlers durch autoscrollende Wolkenfelder oder begeht lavadurchflutete Kerkergemäuer voller aggressiver Fledermäuse und tonnenschwerer Steintore, die laufend polternd zu Boden krachen - und den unvorsichtigen Wanderer bei Nichtbeachtung des Mindestabstands gnadenlos plätten.

Dazu hält das Gameplay noch ein raffiniertes Puzzle bereit, bei dem innerhalb eines riesigen Labyrinths zunächst mehrere Spiegel zu finden und aufzunehmen sind. In der Folge müssen die Reflektoren dann so ausgeklügelt positioniert werden, daß ein am Start installierter Laserstrahl die verschlossene Tür zum nächsten Abschnitt aufsprengt.

Anders gesagt: Hier wird Abwechslung ganz groß geschrieben! Es gibt wahrlich viel zu tun und zu erleben, bis irgendwann nur noch die finale Konfrontation mit dem Zepterdieb Edi Le Mac ein glückliches Happy-End verhindern kann.

Seiner mannigfaltigen Angreifer entledigt sich Cedric allenthalben durch gekonnte Kopfsprünge und gezielte Fausthiebe, außerdem erhält er von Zeit zu Zeit Messer oder andere Wurf- bzw. Stichwerkzeuge.

Daß unser Mann im Fantasy-Reich trotzdem chronisch unterbewaffnet ist, liegt daran daß hier überraschende, also nicht vorhersehbare Feind-Attacken die Regel und unfaire, also unausweichliche Angriffe durchaus keine Seltenheit sind.

Und also ob das ohnehin knapp bemessene Energiepolster dadurch nicht bereits genügend in Mitleidenschaft gezogen würde, nagen Stürze aus großer Höhe zusätzlich am Überlebenswillen des Spielersprites; häufig genug führen sie sogar zum Verlust eines der anfänglich fünf Bildschirmleben.

Um so begrüßenswerter wäre daher eine Option gewesen, mit der man den Screenausschnitt im Pausen-modus einen Tick in verschiedene Richtungen verschieben hätte können. So aber bleibt der Einblick in verborgene Regionen der Plattform-Landscahft verwhrt, Sprünge ins Ungewisse sind an der Tagesordnung, und die Entdeckung der Geheimkammern voller Energieflaschen, Sammeldiamanten, Goldmünzen und Extraleben wird erschwert.

Kurzum, der Schwierigkeitsgrad ist ganz allgemein nicht von Pappe, doch wer damit leben kann, wird mit einem Gameplay auf hohem Niveau entschädigt.

Dazu gehören auch die vielen Rücksetzpunkte für den Todesfall und das völlig Fehlen von Sackgassen. Bricht beispielsweise an einer Stelle mal eine Hängebrücke spektakulär auseinander, so steht bei einer eventuellen Rückkehr bestimmt wieder funktionstüchtig am alten Platz, um so das Fortkommen zu garantieren.

Sehr schön fanden wird auch, daß beim Erreichen wichtiger Stellen oder Gegenstände stets ein Symbol auf deren Bedeutung hinweist und damit das sterbenslangweilige Absuchen jedes Quadrat-millimeters Boden weitgehend entfällt.

Noch motivierter würde man freilich zu Wrke gehen, wenn die Optik mehr Anreize dazu böte. Nur leider ist der gesamten Präsentation (inklusive der wenigen Intro-Bilder) die überlange Entwicklungszeit recht deutlich anzusehen: Die nur mäßig bunte Grafik wirkt größenteils ziemlich flach und altbacken, lediglich der Detailreichtum vermag streckenweise wirklich zu überzeugen.

Insgesamt darf man sich aber von einem sechs Disketten umfassenden Spiel wohl etwas mehr erwarten, zumal viele der teils kärglich animierten Figuren eher kindisch aussehen und somit nicht zum abenteuerlichen Charakter des Games passen wollen.

Immerhin gibt das Parallaxscrolling keinen Anlaß zu klagen, es klappt auf AGA-Amigas sogar ein wenig sanfter als auf älteren "Freundinnen" wie dem A500. Noch mehr Trost bezüglich der verbesserungswürdigen Gesamtansicht versprechen hübsche Grafik-FX, von denen hier stellvertretend bloß einige wenige genannt seien: Zu bewundern gibt es u.a. nett inszenierte Sturzbäche, Schneewehen sowie realistische Kräuseleffekte bei jeglicher Landschaft, die unterhalb einer Wasserfläche liegt.

In jeder Hinsicht gelungen ist last but not least die vor allem in Späteren Abschnitten sehr stimmungsvolle und abwechslungsreiche Begleitmusik im Clubstil - daß damit die eigentlich ebenfalls durchaus hörenswerten Sound-Effekte fast schon zur Nebensache degradiert werden, nimmt man da gerne billigend in Kauf.

Schließlich und schlußendlich noch ein Satz zur Handhabung: Besonders gut gehen die Actionabenteuer natürlich von der Festplatte und mit einem Zwei-Button-Pad von der Hand, doch auch im Floppy- und Stick-Bettieb braucht man sich nicht zu beklagen.

So sind keine übermäßigen Diskwechseleien zu befürchten, bloß sollte ein ungestörter Zugriff auf die Space-Taste zwecks Inbetriebnahme des am unteren Bildrand installierten Aktionsmenüs gewährleistet sein.

Unter dem Strich ist also nur die grafische Präsentation zu bemängeln, und diesbezüglich besteht ja zumindest noch Hoffnung für die kommende CD-Umsetzung. In Sachen Spielbarkeit sind Cedric indessen nahezu keine Vorwürfe zu machen, denn so abwechslungsreiche Herausforderungen für gewiefte Aktionisten hat man schon Jahre nicht mehr am Amiga gesehen! (rl)



Der Spätzünder

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Was dem Floppy-User recht ist, kann dem Silberling nur billig sein - nach diesem Motto lassen die Mannen von Neo ihr abenteuerliches Hüpfical nun unverändert von Diskette auf die Amiga-CD Springen.

Es ist schon zum Heulen: So eine Schillerscheibe bietet bekanntlich mehr als ausreichend Raum für zusätzliche Levels, opulente Zwischengrafiken, Movie-Intros oder zumindest CD-Musik - und dennoch speist man die Amigos seit einiger Zeit allüberall fast ausschließlich mit Ident-Versilberungen ab. Andererseits herrscht am hiesigen Silbermeer schon seit einigen Wochen eine generelle Software-Flaute, so daß man für die zumindest solide Umsetzung eines mehr als soliden Action-Adventures am Ende doch wieder dankbar ist...

Schon überhaupt, wo sich dieses Genre hier ja ohnehin selten blicken läßt. Und die wenigen Titel die es gibt, sind zudem meist speziell auf das CD32 zugeschnitten, quittieren also am CD-bestrückten Compi den Dienst. Hier ist es genauso andersrum: Cedric tritt auf jeder mit einem CD-Läufer ausgerüsteten "Freundin" (also z.B. auch am A500 mit A590!) zur Arbeit an, nicht jedoch auf der Amiga-Konsole. Es sei denn, sie wäre z.B. mit dem in dieser Ausgabe vorgestellten "Vector CD32 Shuttle" zum Rechner hochgerüstet worden.

DIE VORGESCHICHTE

...liegt der Packung (auch) in gedruckter Form bei und langweilt den Spieler daher völlig hardwareunabhängig mit der Mär vom gestohlenen Zepter. Das magische Statussymbol wurde dem guten König Laudon nämlich vom bösen Dieb Le Mac gemopst, der jetzt ganz frech mit lebenslangem Amiga-Entzug, Erhöhung der Mehrwertsteuer und außerdem dem Untergang des Abendlandes droht.

Also muß ein Held her, der den Stab zurückholt und damit dem Finsterling in die Suppe spuckt: Cedric. Diesen Naturburschen lenkt der Spieler fortan durch elf Welten, wo die verschiedensten Unter-Aufgaben der Erledigung harren.

Die Reise beginnt in einem lichten Forst und endet hier mit der Reparatur eines leckgeschaltenes Bootes - dazwischen warten fleischfressende Pflanzen, an griffslustige Insekten, reißende Wasserfälle und weite Schluchten darauf, überwunden zu werden. Also sammelt man Planken und setzt Feuerstellen in Gang, restauriert verrostete Seilmechanismen, schmilzt Teer und nutzt es als Dichtmittel.

An den folgenden Schauplätzen (Stadt, Arktis, Wald, Höhle, etc.) sind vergleichbare Probleme zu lösen, wobei sich die Designer durchaus Mühe gegeben haben. Etwa, indem einmal mehrere Spiegel an geeigneten Plätzen zu installieren sind, damit so ein Lichtstrahl durch ein umfangreiches Labyrinth vom Start ins Ziel gelenkt werden kann!

DIE ABWECHSLUNG

...ist für Cedric also kein Thema, zumal er im Spielverlauf noch bei Autoscrolling auf einem Adler reiten, durch lavageflutete Kellergänge pirschen oder eine wilde Autobahnfahrt in einer Kohlenlore absolvieren darf.

Darüber hinaus stehen allerlei Besprechungen mit den Einheimischen sowie natürlich tausenderlei Kämpfe auf dem Heldenprogramm. Seiner großen und kleinen Angreifer entledigt sich Cedric dabei zumeist durch Sprünge auf den Kopf oder gezielte Fausthiebe, nur selten findet er Wurf- bzw. Stichwerkzeuge. Keine schwere Artillerie also, um mit all den überraschenden und teils sogar unfairen Attacken der mannigfaltigen Feinde fertig zu werden.

Zusätzlich nagen (wegen des etwas kleinen Screenausschnitts oft ins Blaue gezielte) Sprünge aus zu großer Höhe am Energiepolster. Man freut sich daher über jede noch so kleine Geheimkammer voller Zusatzleben, Energiegetränke und andere Nützlichkeiten, die man so vielleicht entdeckt.

Überhaupt tröstet das clevere Spieldesign mit Levelcodes, jeder Menge Rücksetzpunkten für den Trauerfall, aber fehlenden Sackgassen über vieles hinweg. Bricht etwa mal eine Hängebrücke auseinander, so ist bei einer eventuellen Rückkehr wieder repariert und garantiert das Weiterkommen.

Begrüßenswert ist außerdem, daß ein Symbol den Kontakt mit wichtigen Stellen oder Gegenständen anzeigt; das sterbenslangweilige Absuchen jedes Quadratmillimeter Bodens kann so weitgehend entfallen.

DIE PRÄSENTATION

...ist wie eingangs schon gesagt einer CD eigentlich nicht würdig. So besteht z.B. das Intro nur aus Text und ein paar Faden Bildchen, und dem Spiel selbst ist die überlange Entwicklungsdauer von mehr als zwei Jahren grafisch deutlich anzusehen.

Die Hintergründe wirken nämlich größtenteils flach, lediglich ihre Animationen und die Detailfülle lassen erahnen, was man von einem modernen Actiontitel erwarten darf. Davor agieren oft kärglich animierte Sprites, deren kindliche Gestaltung zudem nicht immer gut zu einem Fantasy-Szenario passen will.

Andererseits klappt das Parallaxscrolling so soft, wie es soll, und tröstet über die trotz einiger Effekte wie Wasserfälle, Schneetreiben etc. durchaus verbesserungswürdige Gesamtoptik hinweg.

Nach wie vor nett anzuhören sind die zahllosen Sound-FX und stimmungsvollen Musikstücke. Und für die Steuerung gilt dasselbe wie anno Floppy: An Pad oder Stick mit mindestens zwei Buttons gibt's keine Probleme, andernfalls muß das am unteren Bildrand installierte Aktions-Menü halt per Space-Taste aktiviert werden.

DAS FAZIT

...steht damit so fest wie ein Fels in der Brandung: Auf CD bleibt Cedric, was es vor zwei Monaten auf Disk schon war, nämlich ein schweres, umfangreiches, unterhaltsames Action-Abenteuer. Und auch wenn man sich in Sachen Präsentation gerade von einem Silberling heute mehr erwarten würde, ist diese Scheibe somit ihr Geld wert! (rl)