Bring me to the Main Page   Bring me to the Reviews Index

Warlords logo

Wer an Australien denkt, der denkt an Känguruhs – softwaremäßig macht der Kontinent nur selten von sich reden. Aber durch die digitale Völkerschlacht der Strategic Studies Group wird das jetzt alles anders! Oder etwa doch nicht?

Warlords Wie der Firmenname schon vermuten läßt, kommt hier ein Strategical reinsten Wassers auf uns zu: Im Fantasyland Illuria tummeln sich acht verschiedene Völker: Zwerge etwa, Orks, Elfen und dergleichen mehr. Bis zu acht Mitspieler dürfen sich nun ihren Lieblingsverein herauspicken und fortan versuchen, die Vorherrschaft im Ländle zu erringen (fehlende Kontrahenten übernimmt der Computer). Die Grundausstattung besteht aus einer Stadt, ein bißchen Geld und einem besonders rauflustigen Burschen als Vorstreiter.

Das Gerangel nimmt dann im Rundenturnus seinen Lauf, man stellt Armeen auf und erobert Städte, auf daß die Einnahmen fließen. Geplant werden die Feldzüge auf einem strategischen Übersichtspan, bzw. Einer taktischen Bewegungskarte. Eingenommene Städte produzieren immer neue und verschiedenartige Armeen – Infanteristen und Reiter können ebenso angeheuert werden wie fliegende Gäule oder Marineeinheiten; gelegentlich bitten auch ein paar Untote oder Dämonen um Aufnahme in die glorreichen Streitkräfte. Alle diese Prügelknaben wollen natürlich finanziert sein, was weitere (luktrative) Eroberungen nötig macht. Auf diese Weise sind die vielen anfänglich neutralen Ortschaften rasch vergeben, danach geht es ans Eingemachte. Jeder ist zwar grundsätzlich der Feind eines jeden, doch werden die Aktionen der Computergegner durch ein abgestuftes Netzwerk unterschiedlich schlechter Beziehungen gesteuert: Wer von seinem Nachbarn gehaßt wird, darf sich auf einiges gefaßt machen; steht das Barometer dagegen auf Gleichgültigkeit, kann man sich vorerst anderen “Kollegen” zuwenden. Gewürzt wird die Suppe durch besondere Items oder Schätze, die es in Tempeln oder alten Ruinen aufzustöbern gilt.

Wer bei Warlords der große Sieger sein möchte, muß ebensosehr auf das ökonomische Gleichwicht wie auf die militärische Stärke achten, er muß strategisch wie auch diplomatisch richtige Entscheidungen fällen. Klingt gut, was? Die traurige Wahrheit ist jedoch, daß das Spiel nicht wirklich zu fesseln vermag, es erreicht bei weitem nicht die Komplexität und Faszination des (in mancher Hinsicht ähnlichen) Uralt-Schinkens „Empire“. Die Maussteuerung mit Hilfe von Icons und Menüs wirkt gelegentlich umständlich und schlecht durchdacht, etwa bei der Befehlsvergabe an die Armeen. Auch in puncto Grafik und Sound haben die Programmierer auf Sparflamme gekocht: Was sich am Screen tut, ist alles andere als berauschend, und aus den Boxen kommen nur ein paar dürftige FX bzw. Eine Vorspannmelodie, die sich alle fünf Sekunden wiederholt.

Die bescheidene Präsentation könnte man einem Strategiegame nachsehen, eine unausgewogene Handhabung und mangelnder Spielreiz sind jedoch auch und gerade in diesem Game unverzeihlich. Schade, aber vielleicht hat ja das nächste Kanguruh etwas Aufregenderes im Brustbeutel? (jn)

Amiga Joker, April 1991, p.?

Amiga Joker
Warlords
Grafik: 51%
Sound: 28%
Handhabung: 59%
Spielidee: 69%
Dauerspaß: 55%
Preis/Leistung: 57%

Red. Urteil: 53%
Variabel
Preis: ca 69,- DM
Hersteller: SSG
Genre: World of Wonders

Spezialität: Zwei Disketten, 1 MB erforderlich, einstellbarer Schwierigkeitsgrad. Englisches Handbuch plus Übersichtskarte.