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Special Forces logo

Es war im September 1987, da erschien „Airborne Ranger“ für den C64. Jahre später wurde die Söldner-Simulation auf den Amiga umgesetzt und... enttäuschte auf der ganzen Linie! Auch der Nachfolger ist eine Konvertierung, allerdings eine vom ST. Und diesmal hat der Microprose-Trupp ganze Arbeit geleistet!

Special Forces Wir erinnern uns: Beim Vorläufer ging es um einen einsamen Ranger, der von einem Flugzeug hinter den feindlichen Linien abgesetzt wurde, um dort seinen lebensgefährlichen Auftrag zu erfüllen. Nun hat man es gleich mit vier Musketieren zu tun, was die Aufgabe natürlich noch schwerer macht. Wie schwer, das darf man sich zu Anfang aussuchen, wenn das Programm wissen will, welchen der vier Schwierigkeitsgrade man sich zutraut. Anschließend ist die Wahl des Einsatzgebietes dran, angeboten werden die Tropen, die gemäßigte Zone, Wüste und Arktis. Jedes Reiseziel hält vier Missionen parat, die sich in beliebiger Reihenfolge absolvieren lassen – wenn man die Aufträge aber in der vorgegebenen Ordnung erledigt, ergibt sich eine fortlaufende Geschichte. Dann wird auch in der Missionsschreibung darauf eingegangen, wie man sich bisher geschlagen hat.

In den Tropen muß erst mal ein Kriegsgefangener aus den Händen der Drogenmafia befreit werden, anschließend sollen Coca-Felder für die spätere Bombardierung „markiert“ werden, danach steht dann die Entwendung eines wichtigen Terminkalenders auf dem Programm. Zur Belohnung darf man in der vierten Mission den Obermafiosi persönlich umnieten. Szenenwechsel. Die Wüste bietet ebenfalls ein buntes Potpourri vom Ausheben von MG-Nestern über das Zerstören diverser Panzer und Produktionsanlagen bis hin zum fröhlichen Ostereier suchen – naja, der Flugschreiber eines abgestürzten Helis muß halt gefunden werden. Ähnlich bunt, wenn auch bei wesentlich ungemütlicheren Temperaturen, geht es in der Arktis zu. Terroristen haben sich ein paar atomgetriebene U-Boote gekrallt, was nun die verschiedensten Einsätze nach sich zieht: Sabotage, Lager sprengen, mal wieder Dokumente klauen und der Terroristenkapitän ins Jenseits befördern.
Trotz des irreführenden Namens hat auch die gemäßigte Zone nur wenig Erholsames im Angebot. Zwecks Militärjunta-Bekämpfung müssen Scud-Raketen und ein Treibstoff-Depot vernichtet werden, ein Computer harrt der Eroberung, und zum krönenden Abschluß darf man den Strom in der Gegend „abschalten“.

Neben der Aufgabenstellung unterscheiden sich die Missionen auch durch die Tages- bzw. Nachtzeit und danach, ob man sich die Absprungspunkte für seine Leute selber aussuchen darf, oder ob der Einsatz an einen festgelegten Ort beginnt. Das Anforderungsprofil ist also sehr unterschiedlich, und dementsprechend ausgewogen sollte auch die eigene Truppe zusammengesetzt sein. Aus einem achtköpfigen Söldnerpool dürfen maximal vier Jungs ausgewählt werden, die sich durch Rang, körperliche Fitneß und besondere Fähigkeiten (Scharfschütze, Tarnungsspezialist, Sprengstoffexperte, etc.) unterscheiden. Abgeschlossen wird die Planungsphase schließlich mit der Bewaffnung unseres Killer-Kleeblatts, die voll- und halbautomatisch oder ganz subtil Patrone für Patrone erfolgen kann. Die Auswahl zwischen den verschiedenen Gewehren und Pistolen ist dabei wohl eher Geschmackssache, die Zeitzünder sollte man bei den explosiven Einsätzen aber nicht gerade vergessen...

Jetzt geht’s endlich in die Kriegszone. Als erstes muß bei den meisten Missionen der Absprungpunkt für jeden einzelnen Mann auf der Übersichtskarte bestimmt werden. Damit man dabei nicht direkt auf einem feindlichen Posten landet, sind dessen Standpunkte rot markiert – allerdings ohne Gewähr für die Richtigkeit! Beim anschließenden Geländemarsch können die Jungs einzeln, pärchenweise oder als komplette Truppe gesteuert werden, wahlweise mit dem Stick oder per Keyboard. Wer auch bei der Einzelsteuerung ständig jeden seiner Männer im Auge behalten will, kann auf einen alternativ zum normalen Grafikfenster angebotenen (vierfachen) Splitscreen zurück greifen. Leider ist das jeweils sichtbare Gebiet hier so winzig, daß man sehr leicht von herumvagabundierenden Feinden überrascht wird. Das andere Extrem heißt Marschieren auf der Übersichtskarte, aber dort ergibt sich durch den großen Maßstab oft genau derselbe Überraschungseffekt. Trotz Vogelperspektive und Steuerung via Richtungspfeil wirkt der Spielablauf nicht ganz so „simulationsmäßig“ wie beim Vorgänger. Natürlich kommt wegen der Aufgabenverteilung auf vier Leute (Ablenkungsmanöver, Feuerschutz, mehrere Angriffsziele, etc.) auch ein starkes strategisches Element ins Spiel, aber dennoch: zwischen zehn und fünfzig Gegner beißen pro Mission schon ins Gras...

Kommen wir zur Manöverkritik. Die Grafik ist im großen und ganzen recht ordentlich (Ausnahme: nachts), gescrollt wird einwandfrei, und die Landschaften enthalten erstaunlich viele Details. Dazu kommen ein paar gelungene Zwischenscreens sowie ein sehenswertes Intro. Ein wunder Punkt ist das unzureichend ausgenützte Bildschirmformat (kein PAL), was sich von allem beim Splitscreen unangenehm bemerkbar macht. Soundmäßig wird nicht so viel geboten, nach der hübschen Titelmusik kommen nur noch brauchbare Geräusche. Die (Maus-) Steuerung klappt im Planungsteil einwandfrei, im Feindesland nicht ganz so toll, weil man auch im Joystickbetrieb ständig auf das Keyboard zurückgreifen muß. Die einzelnen Befehle wurden dabei ziemlich willkürlich auf der Tastatur verteilt, doch man gewöhnt sich dran.

Damit aber genug der Motzerei, denn trotz einiger Schwächen im Detail ist Special Forces eindeutig aus dem Stoff der süchtig macht! Na, hoffentlich hat das jetzt niemand beim Oberkommando gehört... (mm)

Amiga Joker, May 1992, p.p.??

Der Amiga Joker meint:
"Special Forces gehört ins Marschgepäck jedes Bildschirm-Söldern!"

amiga joker
Special Forces
Grafik: 72%
Sound: 59%
Handhabung: 64%
Spielidee: 80%
Dauerspass: 78%
Preis/Leistung: 69%

Red. Urteil:
Variabel
76%
Preis: ca 99,- dm
Hersteller: MicroProse
Genre: Simulation

Spezialität: 1 MB und eine formatierte Leerdisk erforderlich, deutsche Anleitung, Screentexte englisch, Special Forces- „Kappi“ in der Packung.