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Nach zweimonatigem Ritt durch die PC-Prärie hat die abenteuerliche Karl May-Versoftung von Software 2000 bzw. Linel nun auf den Amiga Hengst umgesattelt - und legt auch hier einen gestreckten Galopp auf das Digi-Parkett!

Schatz im Silbersee Über den Autor der Vorlage braucht man eigentlich kaum ein Wort zu verlieren, denn der sächsische Cowboy aus Radebeul bei Dresden ist auch viele Jahre nach seinem Tod noch der meistgelesene deutsche Volksschriftsteller. Da es sich hier um der Welt erste Compu-Konvertierung eines seiner Wildwest-Schinken handelt, ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Programmierer dieser deutsch/schweizerischen Koproduktion die zwei Jahre Entwicklungszeit überwiegend darauf verwendet haben, ein Adventure in den Sattel zu hieven, das sich ziemlich eng an die Handlung der Romanvorlage hält. In Sachen Optik und Steuerung saßen die Vorbilder dagegen eindeutig auf der kalifornischen Sierra-Ranch:

Der Spieler übernimmt die Rolle des wackeren Trappers Old Firehand, der eine Bande von Tramps und insbesondere deren ruchlosen Anführer Cornel Brinkley dingfest machen muß. Die Ganoven haben sich nämlich unrechtmäßig in den Besitz einer alten Landkarte gebracht, wo das Versteck eines noch älteren Indianerschatzes eingezeichnet ist. Um das Schätzchen zu heben, fehlen ihnen vorläufig allerdings noch die Barmittel, weshalb sie jetzt eine Eisenbahnkasse und eine Farm zu überfallen gedenken. Old Firehand und seine Begleitung Tante Droll wiederum gedenken, dem einen Riegel vorzuschieben, wofür sie vier Kapittel lang Zeit haben - die Geschichte beginnt auf einem Raddampfer, geht dann in einem Holzfällerkamp und einer Farm weiter, ehe der finale Showdown am sagenhaften Silbersee über den Screen flimmert.

Schatz im Silbersee Zunächst flimmert aber ein Intro mit sagenhaften Landschaftsbildern über den Screen, wo Karl May persönlich ein paar warme Worte zum Besten gibt. Danach findet man sich auf dem alten Mississippi-Steamer "Dogfish" wieder, hier treibt neben den besagen Bösewichtern auch ein ausgebrochener Panther sein Unwesen. Ist das Vieh erst mal mit einem Knüppel vom Schiff gejagt, kann der Kollege mit dem merkwürdigen Namen an Bord kommen (Tante Droll heißt er wegen seiner Vorliebe für Frauenkleider, die im weiteren Verlauf des Spiels nicht ganz unwichtig ist). Gemeinsam verteilt man nun den Plan der Spitzbuben, den Raddampfer zu versenken, und auch bei der Beraubung eines braven Passagiers können unsere Protagonisten natürlich nicht tatenlos zusehen...

Ihre Heldentaten absolvieren Old Firehand und sein Kumpel per Maus und Icons im Point & Click-Verfahren, wofür sie recht ordentlich animiert durch von schräg oben gezeigte und bildweise umgeschaltete Szenarien gesteuert werden. Bei den anfallenden Gesprächen mittels anklickbarer Sätze sind hübsch gemalte Portraits eingeblendet, und auch die sonstigen, überwiegend in Brauntönen gehaltenen, bildschirmfüllenden Bilder können sich durchaus sehen lassen. Um die teilweise recht kniffligen Aufgaben zu lösen, sind allerdings oft Millimeterarbeit und ein wahrer Adlerblick vonnöten: Die vielfach recht geschickt in der Landschaft versteckten Gegenstände sind nämlich gelegentlich so winzig, daß sie der flüchtige Trapperblick allzu leicht übersieht. Und wenn dann noch so manche Türe oder Kiste verschlossen bleibt, man aber gleichzeitig eine ganze Reihe von unnützen Sachen aufklauben kann, ist schon mal ein bißchen Verwirrung angesagt. Die Rätsel selbst sind aber durchweg logisch aufgebaut; wer beim Einsatz bzw. der Kombination der gefundenen Items gesunden Menschenverstand walten läßt, sollte hier durchaus zurecht kommen. Ab und an muß auch der ständig mitzuckelnde Tante Droll zur Mitarbeit überredet werden, und sollte wieder mal eine größere Aktion geglückt sein, gibt es zur Belohnung eine automatisch ablaufende Animationssequenz zu sehen. Im letzten Kapitel, wie könnte es anders sein, taucht dann auch der edle Häuptling Winnetou auf, ohne den bei Karl May im Wilden Westen bekanntlich so gut wie nichts lief. Doch bis dahin warten allerlei Tode auf den Westener (etwa, wenn er sich zuviel Alk hinter die Binde kippt oder sich beim Anschleichen an die Schurken auch nur den kleinsten Fehler erlaubt), weshalb ausgiebiges Abspeichern zu seinem Pflichtprogramm gehört.

Schatz im Silbersee Besonders stolz sind die Schöpfer dieses Digi-Westerns darauf, daß es ihnen gelungen ist, auf einem normalen A500 mehr als 32 Farben gleichzeitig darzustellen. Und das mit Recht, denn tatsächlich sehen die detailreich gepinselten Landschaften in den verwendeten Pasteltönen zumeist sehr stimmungsvoll aus. Zusammen mit den Countryklängen der Soundkulisse entsteht damit genau jene Atmosphäre, die wie der Handlungsrahmen der Romanvorlage entspricht. Da die gehobene Rätselkost auch dem fortgeschrittenen Abenteurer einiges an Gehirnschmalz abverlangt, das Programm natürlich komplett deutsch ist und die Maussteuerung insgesamt durchaus überzeugt, kann man nicht nur Karl May-Fans zu einem Besuch des Silbersees raten - obwohl gerade sie sich besonders über das im typischen grüngoldenen Outfit verpackte Spiel freuen dürften. Noch mehr Freude mag dann aufkommen, wenn Software 2000 demnächst den sandigen Nachfolger "Durch die Wüste" veröffentlicht, zumal man für die Abenteuer von Kara Ben Nemsi auch die hier noch vorhandenen Kinderkrankheiten auszuräumen gedenkt... (md)

Amiga Joker, March 1994, p.p.32-33

(Note: "Der Schatz im Silbersee" is never released. Pictures are taken from demo-version.)

DER SCHATZ IM SILBERSEE
(SOFTWARE 2000/LINEL)
WESTERN-ADVENTURE

74%

"LITERARISCH"
Amiga Joker
GRAFIK
ANIMATION
MUSIK
SOUND-FX
HANDHABUNG
DAUERSPASS
76%
74%
76%
72%
72%
74%
FÜR FORTGESCHRITTENE
PREIS DM 99,-
SPEICHERBEDARF
DISKS/ZWEITFLOPPY
HD-INSTALLATION
SPEICHERBAR
DEUTSCH
1 MB
3/JA
JA
SPIELSTÄNDE
KOMPLETT