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Robocop 3 logo

Das ist Tempo, das nennt man Dynamik: Jetzt erscheinen die Filmumsetzungen schon, bevor der Film selbst in den Kinos zu sehen war! Wenn das so weitergeht, dürfen wir uns wahrscheinlich bald auf die ersten Leinwandkonvertierungen erfolgreicher Computerspiele gefaßt machen...

Robocop 3 Doch Oceans dritter Blechbulle ist gottlob in praktisch jeder Hinsicht ein recht flottes Kerlchen, auch in spielerischer! Während sein unmittelbarer Vorgänger noch das übliche Filmversoftungs-Mischmasch aus Plattformaction und Hochgeschwindigkeits-Tüftelei zu bieten hatte, gibt’s diesmal zwei säuberlich getrennte Unterspiele – zum einen das „Arcade Game“, zum anderen das „Movie Adventure“. Beiden gemeinsam ist die Präsentation in 3D-Vektorgrafik, die teilweise mit herkömmlicher Pixelgrafik hinterlegt wurde. Auch inhaltlich ist der Unterschied zwischen den beiden Spielen bei weitem nicht so groß, wie die Anleitung behauptet: er besteht nämlich in erster Linie darin, daß man im Arcade-Teil die verschiedenen Aufgaben direkt auswählen kann, während sie im Filmabenteuer immer schön der reihe nach gelöst werden müssen.

So oder so sieht sich Robobobby diesmal der Gelben Gefahr gegenüber: Japaner wollen seine Herstellerfirma übernehmen, sollte sich unser Held nicht bewähren, wird er kurzerhand durch Robot-Ninjas ersetzt. Dementsprechend stehen saftige Duelle mit so einem asiatischen Blechhaufen an, daneben gibt’s allerlei Autoverfolgungsjagden. Straßenkämpfe, Geiselbefreiungen, und sogar fliegen darf man hier ausgiebig. Den Flugsequenzen ist am deutlichsten anzumerken, daß das Programm von Digital Image Design entwickelt wurde, also jenen Leuten, die schon „F-29 Retaliator“ gemacht haben(aha, kein Wunder, daß „Epic“ so lange auf sich warten läßt!). Tatsächlich bekommt man hier denn auch einen „richtigen“ Flugsimulator geboten, der sich nur in der wesentlich einfacheren Bedienung von seinen „ernsthaften“ Kollegen unterscheidet. Aber ansonsten ist (fast) alles wie gewohnt, sprich, man hat allerlei Waffen und Außenansichten zur Verfügung, es darf auf die verschiedensten Luft- und Bodenziele (Helis, Panzer, etc.) geballert werden - bloß abschmieren kann der Vektor-Blechbulle kaum, was ja nicht unbedingt ein Nachteil ist.

Sollte unser Lieblingsandroide dann mal in sein Auto steigen, glaubt man zunächst in „Test Drive“ gelandet zu sein: besonders wegen des sehr ähnlichen Cockpits. Aber das täuscht, in Wirklichkeit sind die Verfolgungsjagden weit eher mit „Chase HQ“ zu vergleichen. Denn auch hie schubst man seine Gegner durch wiederholte Karambolagen kampfunfähig, der Gebrauch von Schußwaffen ist im Straßenverkehr dagegen verpönt. Dafür hat man wiederum diverse Außenansichten und ein Radar, was angesichts der meist besser motorisierten Feinde auch absolut notwendig ist – Abkürzungen durchs Gelände gehören einfach zum kleinen Einmaleins des erfolgreichen Gangsterjägers!

Des öfteren muß der Held auch in Gebäude einsteigen, um dort irgendwelche geheimnisvollen Terroristen zu erledigen. Warum die bösen Buben eigentlich so böse sind, läßt sich anhand der sparsamen (deutschen) Anleitung kaum rauskriegen; aber das macht auch gar nicht so viel aus, denn im Spiel selbst halten die Guten (Geiseln, Spaziergänger) immer gleich die Hände hoch. Wer die Pfoten unten läßt, ist zum Abschuß freigegeben – so einfach ist das. Vom Gameplay muß man sich die „Gebeudereinigungsszenen“ ungefähr wie eine Mixtur aus „Castle Master“, „Corporation“ und „Operation Fieselschweif“ vorstellen, falls Ihr damit etwas anfange könnt. Fehlen noch die Duelle mit dem Roboter-Ninja: Dabei sieht man das Geschehen ausnahmsweise nicht durch die AUgen des Helden, sondern ganz normal, wie sonst auch, von der Seite. Der besondere Clou und gleichzeitig das Hauptproblem bei diesem Kämpfen ist die technische Überlegenheit des Blech-Schlitzauges. Abhilfe: Man muß diesen Vorteil halt durch eine bessere (Stellungs-) Kampftechnik ausgleichen...

Bewertungsmäßig ist Robocop 3 eine durch und durch zwiespältige Angelegenheit. Einerseits ist die grafische Präsentation sehr aufwendig, so wird man z.B. in die einzelnen Missionen immer von zwei (TV-) Nachrichtensprechern eingeführt, und die Vektorgrafik ist superschnell; anderseits hätte etwas weniger Tempo und dafür etwas mehr Detail sowohl der Optik als auch der Spielbarkeit gut getan. Beim Sound dasselbe – gute Musik (Maniacs of Noise) und sehr durchwachsene Effekte. Das gleiche in grün gilt für die Steuerung (Joy, Tasten, Maus), beim Fliegen und Autofahren klappt sie hervorragend, während die Gebäude und Duelle zumindest sehr gewöhnungsbedürftig sind.

Überhaupt hinterläßt Robocop 3 einen recht gemischten Eindruck: vom Konzept her absolut zukunftsweisend, in der Ausführung stellenweise etwas schlampig. Zum Beispiel müssen die drei Disks permanent gewechselt werden, es sei den, jemand hätte ein Drittlaufwerk (und 1MB Speicher wäre sicher auch nicht verkehrt). Noch schlimmer ist, daß sich der beiliegende Kopierschutz-Dongle bei einem 2000er nicht anschließen läßt – hier ist einfach das Gehäuse im Weg! Naja, wo viel Licht ist... (mm)

Amiga Joker, February 1992, pp.?

Der Amiga Joker meint:
"Robocop 3 - so sieht die Zukunft der Filmversoftungen aus!!"

amiga joker
Robocop 3
Grafik: 83%
Sound: 68%
Handhabung: 62%
Spielidee: 81%
Dauerspass: 74%
Preis/Leistung: 73%

Red. Urteil:
Für Fortgeschrittene
74%
Preis: ca 89,- dm
Hersteller: Ocean
Genre: Mixtur

Spezialität: Die Highscores werden gesaved, in der Packung liegt ein großer Hologramm-Aufkleber.