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Jubiläum ohne Jubel

Overlord logo

Einen Blick zurück im Zorn: Vor anderthalb Jahren konnte uns Rowan Software mit der Flugsimulation „Reach for the Skies“ nur ein müdes Gähnen abringen – dem Nachfolger gelingt nicht einmal das.

Overlord Feste muß man feiern, wie sie fallen, und seien es die Feierlichkeiten zum 50sten Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie. Allerdings ist dieses Game am Amiga alles andere als ein Fest – dabei hat es sich doch am PC vor knapp einem halben Jahr noch ganz gut angelassen...

Nach wie vor wird ein forscher RAF-Pilot für den Luftwaffenstützpunkt Tangmere gesucht, um binnen fünf Monaten freie Bahn für die Alliierten zu schaffen. Damit die nachher den Zweiten Weltkrieg für sich entscheiden können, müssen (für deutsche Gegenseite) wichtige Brücken beseitigt, Bahnstrecken ausradiert und Militärflughäfen eingeebnet werden. Drei Flieger stehen für diese Einsätze bereit, nämlich schweres Geschütz in Form einer Hurricane und eines Mitchel-Bombers sowie eine wendige und damit auf Jagdausflüge abonnierte Spitfire.

Ist die Entscheidung gefallen, geht es in ein ausführliches Briefing, wo man alles Wissenswerte zu den jeweiligen Einsatzzielen und dem allgemeinen Verlauf der Kampagne erfährt. Dazu kommen immer ein paar kleine Filmchen über die zu vernichtenden Objekte, was deren spätere Identifizierung erheblich vereinfacht. Nun darf man hier zwar wahlweise auch in zahlreichen Einzelmissionen in die Luft gehen und in einem umfangreichen Menü nicht nur den Detailgrad der Grafik variieren, sondern das Flugverhalten, die Feindintelligenz und sogar die eigene (Un-)Verwundbarkeit einstellen, doch hilft das letztlich alles nicht viel: Am Himmel erweist sich Overlord als unsäglicher Langeweiler, und das quasi schon auf den ersten Blick. So hat sich die 3D-Grafik gegenüber dem Vorgänger nur unwesentlich verändert, immer noch bestimmen detailarme Grün- oder Blauflächen das Bild, nur gelegentlich wird die Tristesse von ein paar einfarbigen Polygonen unterbrochen. Dagegen wirken die netten Zwischenmenüs dann fast schon wie Meisterwerke und der 08/15-Sound wie eine Symphonie.

Overlord Schön, das Handling ist solide und unterstützt auch Analogsticks. Zugegeben, das Spieltempo ist bereits auf Standard-Amigas vertretbar und wird mit einem 1200er oder A4000/030 sogar richtig flott. Andererseits hat ein A4000/040 Startverbot; außerdem hinkt das Spiel dem technischen Standard, wie ihn z.B. „Tornado“ repräsentiert, um Jahre hinterher. Besonders schlimm ist, daß das auch für das Gameplay gilt, denn im Grunde gleicht hier eine Mission der anderen. Da verwundert es kaum noch, daß dem Spieler nur die englische Seite offensteht und sich die einzelnen Maschinen flugtechnisch ganz erstaunlich gleichen...

So, und jetzt wißt Ihr auch, warum Overlord am Amiga nicht nur die 76-Prozent-Marke der insbesondere grafisch um klassen besseren PC-Version verfehlt, sondern sogar noch unter der ohnehin lauwarmen 60er-Wertung seines Vorfliegers bleibt. (mic)

Amiga Joker, February 1995, p.20

OVERLORD
(VIRGIN/ROWAN SOFTWARE)
FLUGSIMULATION
58%
"FLÜGELLAHM"
Amiga Joker
GRAFIK
ANIMATION
MUSIK
SOUND-FX
HANDHABUNG
DAUERSPAß
61%
64%
59%
57%
63%
56%
VARIABEL
PREIS DM 99,-
SPEICHERBEDARF
DISKS/ZWEITFLOPPY
HD-INSTALLATION
SPEICHERBAR
DEUTSCH
1 MB
3/JA
JA
SPIELSTÄNDE
ANLEITUNG