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Nam 1965-1975 logo

Wer da glaubt, der Vietnamkrieg sei ein rein amerikanisches Trauma, der irrt: Nach dem futuristischen "Imperium" betreibt der Engländer Matthew Stibbe nun Vergangenheitsbewältigung...

Nam 1965-1975 Wie man es von einem guten Strategiespiel erwarten darf, nimmt es ’NAM mit der Geschichte recht genau. Nicht der Gewinn eines schier aussichtslosen Krieges ist hier vordringliches Ziel (wenngleich möglich), Südvietnam zu halten, ist schon schwer genug! Dabei darf man zu verschiedenen Zeiten ins Geschehen einsteigen, entweder zu Beginn der Auseinandersetzung unter Präsident Johnson (1964), oder mittendrin, während der Nixon-Regierung (1968). Darüber hinaus stehen noch drei ganz spezielle Szenarien zur Verfügung, nämlich die Tet-Offensive der Nordvietnamesen (1968), ein kleineres Scharmützel am Khe-Sanh-Plateau und der amerikanische Rückzug (1975).

Die Simulation setzt sich stets aus zwei Elementen zusammen. Einmal darf man in die Haut des US-Präsidenten schlüpfen, um grundsätzliche Entscheidungen zu fällen: Truppenverstärkung oder Rückzug? Wirtschaftshilfe für Süd-Vietnam? Verteilung der Gelder für spezielle Aufgaben? Diese und ähnliche Fragen sollten geklärt werden, ehe man sich dem militärstrategischen Teil der Sache zuwendet. Als Oberkommandierender der Streitkräfte bekommt man dann eine (in vier Militärbezirke unterteilte) Landkarte Südvietnams zu sehen, auf der die Brigaden und Divisionen per Mausklick ihre Marschbefehle erhalten. Die Standorte der Nordvietnamesen und das Vietcong sind allerdings fast immer unbekannt, wie es sich für Dschungelkämpfer gehört. Nur gelegentlich erscheint eine feindliche Einheit auf der Karte – sei es, daß sie gerade von der Luftüberwachung ausgemacht wurde oder in direkte Gefechte mit den eigenen Truppen verwickelt ist.

Sind alle Order ausgegeben, wird die „Uhr“ des Spiels in Gang gesetzt, wobei der Modus variabel ist: von ca. 30 Sekunden bis zu etwa 15 Minuten Echtzeit pro simuliertem Monat. Die Simulation ist also nicht in Runden unterteilt: möchte man auf neue Entwicklungen reagieren, darf der Ablauf jederzeit gestoppt werden. Auch der Präsidenten-Modus ist nach Belieben verfügbar, falls Entscheidungen korrigiert werden müssen. Wer den Erfolg seiner Operationen verfolgen möchte, kann dies auf allerlei Tabellen tun, die sich fortlaufend aktualiseren – eigene und gegnerische Verluste sind ebenso aufgelistet wie Daten über die Stabilität der südvietnamesischen Regierung oder den Rückhalt des amerikanischen Präsidenten bei seinem Volk.

Die vollständig mausgesteuerte Benutzerführung macht den Umgang mit ’NAM zu einer wahren Freude, auch grafisch präsentiert sich das Programm für Strategiespielverhältnisse recht ansehnlich. Im Intro ertönt ein flotter Marsch, und während der Aktionen sind allerlei FX zu hören. Also ein rundum gelungenes Strategical? Im Prinzip ja, allerdings wird hier wirklich gnadenlose Detailtreue betrieben: Wer sich nicht daran stört, daß man auch hochgiftige Entlaubungsmittel („Agent Orange“) ohne Rücksicht auf Folgeschäden „sinnvoll“ einsetzen soll, wird mit ’NAM sicher glücklich werden. (jn)

Amiga Joker, April 1991, p.?

Der Amiga Joker meint:
"Ganz klar die bisher seriöseste Aufbereitung des Vietnamkonflikts!"

Amiga Joker
’NAM
Grafik: 61%
Sound: 58%
Handhabung: 83%
Spielidee: 81%
Dauerspaß: 82%
Preis/Leistung: 75%

Red. Urteil: 80%
Für Fortgeschrittene
Preis: ca. 99,- DM
Hersteller: Domark
Genre: Bomico
Spezialität: Mit in der Box: Deutsches Handbuch samt Hintergrundinfos, sowie zwei große Poster.