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Lure of the Temptress logo

Wenn ein Grafikadventure vom PC kommt, ist ja oft mit kleinen Abstrichen zu rechnen, sei es bei der Optik, dem Sound oder daß die Ladezeiten endlos lang werden. Der brandneue englische Label Revolution Software revoltiert allerdings gegen solche Einschränkungen!

Lure of the Temptress Tatsächlich ist Lure of the Temptress am Amiga weder optisch noch akustisch schwächer als in der PC-Version, ja noch nicht einmal einen 3000er mit Turbokarte braucht man, um komfortabel abenteuern zu können – 1MB und ein Zweitlaufwerk genügen vollauf! Daß die Story im mittelalterlichen Fantasy-Gewand noch die gleiche ist, versteht sich ohnehin von selbst:

Man spielt Diermot, einen königlichen Jagdtreiber, der von Ork-ähnlichen Wesen, den sogenannten Skorls, gefangengenommen wurde. Eigentlich würde es dem jungen Mann vollauf genügen, wenn er einfach nur wieder ungesiebte Luft atmen dürfte, doch die Programmierer haben ihm zu Höherem erkoren: Nur er und er allein kann letzten Endes das Land vor Selena, der verführerischen (Temptress = Verführerin) Chefin der Skorls retten. Dazu muß er sich durch über 50 Locations, zwei kleine actionsequenzen und soll hier den auftretenden Charakteren höchst komplexe Befehle erteilen (bis zu drei Zeilen lang!) und sich mit ihnen über ein ausgefuchsten Multiple Choice System unterhalten, denn in dieser Fantasy-Welt führt praktisch jeder ein richtiges Eigenleben mit individuellem Tagesablauf. Dementsprechend reagieren die Leute auf einen freundlichen Diermot auch ziemlich anders als auf einen übellaunigen...

Lure of the Temptress Möglich wird diese Art der Spieltiefe durch ein neues Entwicklungssystem namens „Virtual Theatre“, dem wir auch die chice Präsentation im Stil von Sierra bzw. Lucas Arts verdanken: Es gibt „Film-Sequenzen“ sowie zahlreiche und wunderbar anzusehende Animationen: daß die Grafik etwas farb-arm ist, fällt während des Spiels nicht weiter ins Gewicht. Ähnlich verhält es sich beim Sound, die feinen Effekte sorgen für Atmosphäre, während die Musikstücke eher nebensächlich, aber bestimmt nicht übel sind. Die Iconsteuerung mit ihrer, der jeweiligen Situation angepaßten Eingabeauswahl haben Maus und Spieler sofort im Griff, man kann sich ganz auf die mit (schwarzhumorigen) Gags gespickte Geschichte und ihre stets logischen Rätsel konzentrieren. Daß die Actionsequenzen auch pure Grübler nicht überfordern, ist ja nicht unbedingt ein Fehler, daß ein Formatierprogramm für Savedisks eingebaut wurde, dürfte jedermann freuen.

Fassen wir zusammen: Mit Lure of the Temptress liegt ein rundum überzeugendes Debut-Abenteuer vor, das sowohl inhaltlich als auch technisch sehr gut zum Amiga paßt. Weiter so, dann muß selbst ein Guybrush Threepwood bald vor der „revolutionären“ Konkurrenz zittern! (mm)

Amiga Joker, September 1992, p.?

LURE OF THE TEMPTRESS
(REVOLUTION/VIRGIN)
ANIMATIONS-ADVENTURE

81%

"TOLLER ERSTLING"
amiga joker
GRAFIK
ANIMATION
MUSIK
SOUND-FX
HANDHABUNG
DAUERSPASS
72%
84%
68%
77%
89%
84%
FÜR GEÜBTE
PREIS DM 89,-
SPEICHERBEDARF
DISKS/ZWEITFLOPPY
HD-INSTALLATION
SPEICHERBAR
DEUTSCH
1 MB
4/JA
NEIN
SPIELSTÄNDE
KOMPLETT