Bring me to the main page   Bring me to the reviews index

Lion king logo  AGA  A1200 
Speziell

Kaum hat “Aladdin“ am Amiga seine Prinzessin erobert, schon ist ihm der nächste Disney-Hüpfer auf den Fersen: Ob Virgins Plattform-Leu den Erfolg aus dem Kino hier wiederholen kann, ist allerdings trotz Mega-Grafik noch nicht ganz raus....

Lion 
king W as die Präsentation betrifft, steht das aktuelle Disney/Virgin-Spektakel der vorangegangenen Orient-Tour kaum nach, denn auch die Großkatze verdankt ihr schickes AGA-Fell der Mitarbeit zahlloser Zeichner aus den Disney-Studios. Unter Zuhilfenahme sündteurer Grafik-Workstations und einiger echter Löwen entstanden so Bild für Bild äußerst realistische Bewegungsabläufe, die erst zu Papier gebracht und dann zwecks Animation in Bits & Bytes umgewandelt wurden. Im Ergebnis bietet der Löwenkönig somit einen wahrhaft königlichen Anblick: Rein optisch wurde da einer der erfolgreichsten Zeichentrickfilme aller Zeiten zu einer der schönsten Movie-Konvertierungen aller Zeiten gemacht!

Ja, wenn Klein-Simba behende über die Plattformen turnt, sich ängstlich an einen Felsüberhang klammert oder während einer Spielpause belustigt einem vorbeischwebenden Schmetterling nachguckt, dann sind mimische Unterschiede zwischen der großen Kinoleinwand und dem vermeintlich kleinen Amigascreen kaum noch zu erkennen. Mit Einschränkungen gilt das auch für den sich eng an die Filmhandlung haltenden Spielverlauf. So wird der junge Löwenprinz auch hier vom intriganten Onkel Scar für den Tod seines Vaters verantwortlich gemacht und in die Savanne verbannt. Dort trifft er auf das Wildschwein Pumbaa und die Meerkatze Timon, schließt Freundschaft und kehrt nach Jahren an seinen Geburtsort zurück, um Anspruch auf den Thron des Steppenkönigs anzumelden. Doch wo sich das Happy-End auf der Leinwand nach rund 90 Minuten quasi von selbst einstellt, müssen Zocker natürlich kräftig nachhelfen...

Lion 
king In den sieben Levels ist der Wiedererkennungseffekt für Filmkenner also recht groß. So wurden etwa die geheimnisvollen Reliquien des Pavian-Täufers zu Rücksetztpunkten umdeklariert, und Simbas Flucht vor heranstürmenden Gnus (zu sehen in einer hübschen 3D-Sequenz) erinnert sofort an das Movie; genau wie der Ausflug der streunenden Hyänen zum Elefantenfriedhof. Animierte Zwischensequenzen schlagen dabei eine Brücke zwischen den abwechslungsreichen Aufgaben: Es gilt, vor heranrollenden Felsbrocken zu flüchten oder Nashörner als Sprungtuch zu mißbrauchen. Alles schön und gut, wenn am Amiga bloß nicht ein Großteil dessen fehlen wurde, was die nahezu zeitgleich veröffentlichten Konsolen- und PC-Versionen zum Ausnahmespiel erhoben hat – doch nach Szenen wie dem Hüpfen über Giraffenköpfe, dem Speed-Abschnitt auf dem Rücken eines Vogel Strauß, der Rutschpartie über den Wasserfall der hängenden Gärten, das Höhlen-Labyrinth oder die beiden Bonuslevels wartet man vor der „Freundin“ vergebens. Eine schnöde Enttäuschung also, die uns Amiganern da bereitet wird, denn mit etwas mehr Mühe seitens der Entwickler wäre doch gerade am A1200 sicher die beste aller Umsetzungen möglich gewesen!

Tja, so haben wir im direkten Vergleich halt die schwächste bekommen. Wobei das natürlich relativ zu sehen ist, denn das Vorhandene spielt sich auch hier sehr gut und braucht sich vor der Genre-Konkurrenz gewiß nicht zu verstecken. Sammelextras sind z.B. vorhanden, sie tauchen in Form verschiedenfarbiger Käfer auf und bescheren Simba frische Löwenenergie, Zusatzleben oder Continues – und damit auch dem Plattform-Novizen ein Weiterkommen. Prinzipiell steht der Held dem Ansturm feindlicher Gorillas, Chamäleons und Wüstenhunde nämlich relativ wehrlos gegenüber: Ob man Gegner kleineren Kalibers nun durch Brunftbrüller vertreibt oder größere durch einen gekonnten Sprung auf den Kopf besiegt, stets entscheiden exaktes Timing und Geschicklichkeit über Sieg oder Niederlage.

Lion king Selbst wenn aus dem kleinen Löwenkind im Spielverlauf mal ein stattlicher Leu geworden ist, der sich per Prankenhieb zur Wehr setzen kann, birgt die Wildnis immer noch allerlei Gefahren. Häufig wird Simba da von Felslawinen überrascht oder von wirr umherflatternden Fledermäusen attackiert; kurzum, das Gamedesign kennt durchaus ein paar kleinere Ungereimtheiten. Ecken und Kanten finden sich zudem beim Handling, denn eine Festplatte wird ebensowenig unterstützt wie Zwei-Button-Pads bzw. –Sticks. Gut, das mag der Spielbarkeit im konkreten Fall nicht allzu abträglich sein, aber von einem modernen Jump & Run kann einfach mehr Komfort erwartet werden. Und egal, ob man nun durch weite Savannen oder hübsch gezeichnete Lavahöhlen trabt, des öfteren verfällt das ansonsten supersoft Parallax-Scrolling in störendes Ruckeln. Nun, immerhin unterscheidet die Steuerung zwischen zwei Möglichkeiten, Simba zum Hüpfen bzw. Brüllen zu überreden, und der Rest der Präsentation ist fraglos gelungen: Die originalen Musikstücke aus der Feder von Elton John und Hans Zimmer wurden prima umgesetzt und passen ebensogut in das Geschehen wie die Sound-FX: die detailreiche Grafik ist hübsch bunt, und die sagenhafte Animation von Freund und Feind ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben.

Trotzdem hätten wir uns von einem speziellen AGA-Game mehr erwartet als bloß eine stark gekürzte Konvertierung vom Mega Drive – und das mit Recht, wie Virgin selbst ja erst kürzlich bei hat “Aladdin“ bewiesen hat. Leider besteht diesbezüglich auch keine Hoffnung auf Besserung am CD32, denn eine Schillerversion ist ebensowenig geplant wie die Umsetzung für Standard-Amigas. (rl)

Amiga Joker, February 1995, p.p. 22-23

DER KÖNIG DER LÖWEN
(VIRGIN/DISNEY)
JUMP & RUN
74%
"GEKÜRZT"
Amiga 
Joker
GRAFIK
ANIMATION
MUSIK
SOUND-FX
HANDHABUNG
DAUERSPAß
82%
85%
83%
81%
72%
71%
VARIABEL: 5 STUFEN
PREIS DM 89,-
SPEICHERBEDARF
DISKS/ZWEITFLOPPY
HD-INSTALLATION
SPEICHERBAR
DEUTSCH
2 MB
4/JA
NEIN
CONTINUES
ANLEITUNG