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Knightmare logo

Uns Rollenspieler kann man normalerweise mit einer Umsetzung nicht überraschen – Pen-and-Paper-Spielsysteme oder berühmte Romane dienten oft genug als Vorlage. Aber eine TV-Serie? Ja, geht das denn überhaupt?!

Knightmare Warum nicht, schließlich hat sich Mindscape ja nicht „Ehen vor Gericht“ oder „Pumuckel“ vorgeknöpft, sondern die englische Vorabend-Reihe „Knightmare“. Und die bietet sich für ein Computer-Rollenspiel förmlich an: Hier treten nämlich jeweils vier Kids im Fernsehstudio gegen die fiesesten Bösewichte an, indem sie einen der ihren mit verbundenen Augen in den Kampf (= in ein leeres Zimmer) schicken. Auf dem Monitoren der drei Zurückgebliebenen werden dann die Aufnahmen des Vierten geschickt mit computergenerierten Umgebungen (Dungeons usw.) vermischt, so daß ein ziemlich realistischer Eindruck entsteht. Tja, und nun wird der arme blinde Kämpfer halt vor den Augen der versammelten TV-Nation von seinen Kollegen gesteuert...

Ganz so funktioniert die Sache am Amiga natürlich nicht, stattdessen dirigiert man hier vier ganz gewöhnliche und durchaus sehfähige Recken durch die Labyrinthe. Die vorgefertigten Helden machen in wiederum vier (scheint ‘ne magische Zahl zu sein) Teilquests Jagd auf Zauber-Items wie das Shield of Justice, um am Schluß mit deren gesammelter Power den üblen Lord Fear (vier!?) und seinen frechen Blechknecht, den Fright-Knight, zu zerbröseln. Das alles spielt sich auf einem übersichtlichen Hauptscreen ab: Balkenanzeigen informieren über den Zustand der Fear-Vernichter, Richtungsicons ermöglichen eine bequeme Maussteuerung, und für Waffen oder andere „Handhelds“ sind auch genügend Plätze reserviert. Der Inventory-Screen ist durch simplen Klick schnell zugänglich, und auch das intelligente, actionbetonte Kampfsystem (gewisse Ähnlichkeiten mit „Eye of the Beholder“ sind unübersehbar) weiß zu gefallen. Vor allem aber erfreut das 3D-Fenster mit stimmungsvollen Grafiken und schon aus der Ferne sichtbaren Monstern! Nicht ganz so toll, aber immer noch recht ordentlich sind die wenigen Musikstücke und gelegentlichen FX im Spiel. Ja, sogar der berühmte englische Humor fehlt nicht – wo sonst darf man Killer-Karnickel mit Tennisbällen vermöbeln?

So weit, so gut. Aber warum bloß kommt einem alles so merkwürdig vertraut vor? Darum: Knightmare verdanken wir Tony Crowther, und der hat hier der Einfachheit halber das Grafik- und Steuersystem seines SF-Rollis „Captive“ übernommen. Dagegen wäre ja nicht einzuwenden, nur hat der gute Tony vergessen, die Fehler seines Frühwerks auszumerzen – genau wie bei „Captive“ wird der Spieler gleich zu Beginn von allzu harten Rätselnüssen überfallen, auf die ihn die Anleitung nur mangelhaft vorbereitet hat. Diesmal ist das sogar doppelt schlimm, weil Knightmare in Bezug auf Thema und Storyhintergrund wohl eher für etwas jüngere Abenteuer gedacht ist. Der Schwierigkeitsgrad müsste also genaugenommen lauten: für Wunderkinder… (jn)

Amiga Joker, February 1992, p.?

amiga joker
Knightmare
Grafik: 71%
Sound: 59%
Handhabung: 80%
Spielidee: 62%
Dauerspass: 64%
Preis/Leistung: 59%

Red. Urteil:
Für Experten
64%
Preis: ca 99,- dm
Hersteller: Mindscape
Genre: Abenteuer

Spezialität: Zwei Disketten mit eigener Formatier-Routine für Save-Disks, Kopierschutz, englisches Handbuch, Speichererweiterung wird ausgenutzt.