Bring me to the Main Page   Bring me to the Reviews Index

Jonathan logo

Fast eineinhalb Jahre mußte die Feunde anspruchsvoller Computer-Unterhaltung auf den Nachfolger zu „Stadt der Löwen“ warten. Aber manchmal zahlt sich Geduld eben aus: Das neueste „Artventure“ aus deutschen Landen ist eine Klasse für sich!

Jonathan Im Jahre 1988 machte sich eine kleine aber feine Truppe namens PM-Entertainment auf, die Amiga-Welt zu erobern. Was mit „Holiday Maker“ begann, steigerte sich über das Asien-Aadventure „Stadt der Löwen“ zu einem vorläufigen, aber furiosen Höhepunkt; Mit Jonathan haben die Mannen um den Autor und Grafiker Chris Földing-Hornschuh ein typisches „Noch-Game“ abgeliefter - noch schöner, noch umfangreicher und vor allem noch spielbarer! Gesteuert wird wie eh und je über ein ausgefeiltes Maus/Icon-System, aber man hat sich die Kritik an den Vorgängern zu Herzen genommen und diesmal ein Abenteuer auf die Beine gestellt, das sich im Sachen Komplexität vor einem Adventure mit Parser keinesfalls mehr zu verstecken braucht. Und damit auch ja keine Mißverständnisse aufkommen, hören die Jungs fortan nicht mehr auf PM-Entertainment, sondern haben sich den beziehungsreichen Namen „Phoenics“ verpaßt.

Auch beim Szenario ist man einen Schritt weitergegangen: Handelten die früheren Werke noch vor vergleichsweise „normalen“ Kulissen wie der USA oder Singapore, so spielt Jonathan in einer weitaus exotischeren Umgebung – einer süddeutschen Kleinstadt namens Kronstadt! Exotisch nicht nur deshalb, weil das Örtchen unschwer als Memmingen (die Heimat der Programmierer) zu identifizieren ist, sondern natürlich vor allem, weil eine böse macht aus ferner Vergangenheit die Menschen dort in ihren Bann geschlagen hat. Ein unbescholtener Lehrer vergeht sich an einer Schülerin und versucht sie zu töten. Finanzbeamte kämpften Seite an Seite mit einer Rockerbande gegen die Polizei, und der Rest der Einheimischen begeht Selbstmord oder leidet zumindest unter furchtbaren Kopfschmerzen. Der einzige, der das Städtchen (und in weiterer Folge natürlich die Welt) vor dem Untergang bewahren kann, ist Jonathan – ein junger Mann, der seit seinem 15sten Lebensjahr im Rollstuhl sitzt. Der arme Kerl wird von visionären Alpträumen geplagt, die recht drastisch verdeutlichen, daß ihm dieser Tragödie eine ganz besondere Rolle zufällt. Aber mit Hilfe seiner Freunde, eines Zauberbuches, zehn Tagen Zeit und einem gewitzten Zocker vor dem Monitor wird sich das Schlimmste wohl vermeiden lassen...

Im Gegensatz zu vielen anderen Adventures kann der Spieler hier kaum jemals „hängenbleiben“ und steht auch nicht ständig unter Zugzwang: Die Story entwickelt sich praktisch ganz von selbst, allerdings je nach den eingegebenen Actionen immer etwas anders. Auf einem wahrlich reichhaltigen Icon-Screen werden sowohl der Titelheld, als auch seine bis zu 12 Freunde befehligt. Jonathans Kumpel führen dabei ihr eigenes Leben und befinden sich meist an ganz verschiedenen Örtlichkeiten – alleine in Kronstadt sind das schon 30, in der näheren Umgebung kommen nochmal 20 weitere dazu. Um die Clique zu erreichen, kann man telefonieren (über 200 aktive Telefonnummern!), um sich über den aktuellen Stand der Dinge zu informieren, ist es nützlich, in die Zeitung oder den Fernseher zu gucken. Natürlich werden auch hier verschiedene Dinge untersucht, geöffnet, gesammelt oder angewendet, aber wer den finalen Showdown mit dem Bösen siegreich überstehen will, muß sich auch um Jonathans magische Fähigkeiten kümmern: Wie bei einem Fantasy-Rollenspiel gibt es die unterschiedlichen Zaubersprüche, z.B. für das Erlangen übermenschlicher Kräfte oder vorübergehende Unsichtbarkeit. Manche dieser Hexereien dürfen mehrmals, andere nur einmal eingesetzt werden. Last not least kann (endlich) der Spielstand jederzeit auf einer Extradisk gesaved werden...

Amiga Joker Hit Die Handhabung ist also ebenso simpel wie vielseitig, die Story ist stimmungsvoll und steckt voller verzwickter Rätsel (was hat es mit den seltsamen Schriftzeichen auf sich, was mit den keltischen Liedern?), und die deutschen Bildschirmtexte lesen sich fast so packend wie ein Buch von Stephen King. Aber was darf man sich von der Präsentation erwarten? Nun, nur das Feinste: Zu sehen gibt es etliche Bildschirmfüllende Grafiken in der gewohnt beeindruckenden Földing-Perfektion, sowie jede Menge hübsch animierter Digi-Bilder (z.B. wenn man die TV-Option anklickt – außer es wäre bereits tiefste Nacht und somit Sendeschluß...). Um eine Stimmung zwischen Realismus und Horror zu erzeugen, hat Chris seine gezeichneten Bilder diesmal so gestaltet, daß sie von digitalisierten Fotos nicht zu unterscheiden sind – ob einem das gefällt, bleibt Geschmackssache, auf alle Fälle ist die Technik beeindruckend und trägt viel zur individuellen Atmosphären des Games bei. Aus dem gleichen Grund wurden die meisten der zahlreichen Sound-FX tatsächlich digitalisiert, der düstere Title-Soundtrack im Stil von John Carpenter ist allerdings eine Eigenkomposition.

Daß Jonathan uns rundum begeistert hat, dürfte Euch ja schon aufgefallen sein, hier noch mal ein paar trockene Facts, die verdeutlichen, warum das so ist: Auf den fünf Disketten erwarten Euch nicht nur ca. fünf Megabyte Grafik-Power, sondern ein Game, das schier unendlichen Spielspaß verspricht. Selbst ein gewiefter Adventure-Profi bekommt bei einem Durchgang nämlich maximal 75 Prozent des Spiels zu sehen – es lohnt also durchaus, das Programm mehrmals zu lösen, da die verschiedensten Wege zum Ziel führen. Und wenn wir Euch jetzt noch verraten, daß man hier mit einer Komplettlösung zumindest 16 Stunden beschäftigt ist, dann wird der eine oder andere wahrscheinlich gleich den nächsten Shop stürmen wollen, um ein Exemplar zu ergattern. Nur leider: Vor Mai wird Jonathan wohl nicht in den Geschäften auftauchen.
(ml)

Amiga Joker, April 1991, pp.??

Der Amiga Joker meint:
"Jonathan ist Computer-Entertainment der Spitzenklasse!"

amiga joker
Jonathan
Grafik: 92%
Sound: 78%
Handhabung: 94%
Spielidee: 90%
Dauerspass: 88%
Preis/Leistung: 85%

Red. Urteil:
Für Fortgeschrittene
90%
Preis: ca 99,- dm
Hersteller: Phoenics
Bezug: Software 2000

Spezialität: Umfangreiche deutsches Handbuch, kein Kopierschutz, auf Harddisk installierbar. Die Verkaufsversion wird (wahrscheinlich) 1MB benötigen und mit Gimmicks in der Box ausgeliefert.



Jonathan logo

Hey, dieses Game wurde doch bereits im April 1991 getestet? Schon wahr, aber es konnte ja keiner ahnen, daß es anschließend noch eine halbe Ewigkeit auf Eis liegen würde, außerdem hat sein Vater die Zeit nicht ganz mit Müßiggang verbracht!

Jonathan Jonathan ist das dritte in einer Reihe von sogenannten "Artventures", die 1988 mit "Holiday Maker" begann und 1989/90 mit "Stadt der Löwen" fortgesetzt wurde. Das Mastermind hinter diesen ungewöhnlichen Spielen war und ist Chris Földing, der hier nicht nur für die kunstvolle Nachbearbeitung der überwiegend verwendeten Digi-Fotos verantwortlich zeichnet, sondern auch für die atmosphärische Story in der Tradition der Gruselmeister H.P. Lovecraft und Stephen King.

Wir befinden uns in Chris' Heimatstadt Memmingen, auch wenn sie hier auf den Namen Kronstadt hört. Böse Mächte aus keltischer Zeit haben von den Seelen der Menschen Besitz ergriffen, was ihren Körpern genre-bedingt gar nicht gut tut - Mord, Selbstmord und die Verführung Volljähriger sind plötzlich an der Tagesordnung, glücklich, wer da nur von Alpträumen geplagt wird! Letztere suchen vornehmlich den jungen Rollstuhlfahrer Jonathan heim, der als Held dieser Veranstaltung das ganze Rätsel lösen soll. An Hilfsmitteln stehen ihm in der bis ins Detail realistisch ausgeführten Kleinstadtidylle Telefon, TV & Presse, seine rund zehnköpfige Freundes-Clique samt deren Autos sowie einige Zaubersprüche zur Verfügung. Als weitere Anleihe beim Nachbar-Genre Fantasy-Rollenspiel gibt's gegen Ende hin noch ein rundenweises Kampfsystem à la "Bard's Tale"; im übrigen ist aber absolute Wirklichkeitstrue Trumpf. So sind z.B. über 100 Telefonnummern anwählbar, die zirka 60 auftretenden Personen folgen ihrem normalen Tagesablauf, Zeitungen gib's täglich außer Sonntages, und die Glotze bringt viel Werbung, bleibt aber nach Sendeschluß standesgemäß dunkel...

Amiga Joker Hit Dem Spieler werden 80 Locations, 15 per Icons aktivierbare Befehle sowie düstere Musik im Stil John Carpenters geboten. Außerdem wird er von etwa acht Megabyte feinster Grafik verwöhnt, die man so geschickt auf die zehn Disks verteilt hat, daß die Handhabung sogar mit einem einzigen Laufwerk halbwegs erträglich bleibt. Ein einziger Durchgang reicht jedoch nicht, um alle Verästelungen der ebenso komplexen wie umfangreichen Geschichte zu entdecken - und das, obwohl sie insgesamt bloß einen Zeitraum von elf Tagen abdeckt! Die Rätsel sind überaus verzwickt, die Stimmung ist herrlich gruselig, und lesenswerte Texte sind in solchen Menge vorhanden, daß man wahrhaftig von einem spielbaren Roman sprechen könnte.

Tja, Ihr merkt schon, daß wir von dieser durchdachten Story und der ausgereiften Präsentation immer noch begeistert sind - trotz der mittlerweile deutlich gestiegenen Ansprüche, die man an ein hitwürdiges Computerabenteuer stellt. Aber Jonathan zeigt nun halt Qualitäten, wie sie sonst viel zu oft dem PC vorbehalten bleiben, da kann man selbst über seine monströse Unpünktlichkeit großzügig hinwegsehen! (mm)

Amiga Joker, February 1993, p.44

JONATHAN
(PHOENICS/SOFTWARE 2000)
ARTVENTURE

88%

"EINMALIG!"
amiga joker
GRAFIK
ANIMATION
MUSIK
SOUND-FX
HANDHABUNG
DAUERSPASS
90%
-
75%
71%
88%
90%
FÜR GEÜBTE
PREIS DM 99,-
SPEICHERBEDARF
DISKS/ZWEITFLOPPY
HD-INSTALLATION
SPEICHERBAR
DEUTSCH
1 MB
10/JA
JA
SPIELST: 5
KOMPLETT