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Auf den Adlerschwingen der Programmierkunst sollte sich Loriciels neues Action-Adventure erheben und der Konkurrenz davonschweben. Ob das wohl gelungen ist - mit einem Greifvogel aus Gold?

Golden eagle Die Story ist jedenfalls schonmal dünn genug, die fliegt womöglich ganz von alleine. In einer futuristischen Kuppelstadt wurde ein mystischer goldener Adler vom finsteren Priester Nahmur geklaut, in fünf Teil zerlegt und versteckt. Wenn einem soviel Übles widerfährt, das ist schon ein Helden wert - in vorliegendem Fall steigert sich der Sohn des letzten Wächters der Statuette in diese Rolle. Er erhält nämlich von braven, verstoßenen Mutanten den Auftrag, die Bruchstücke wieder einzusammeln, zusammenzufügen und damit die Zukunft zu retten. Na, wenn's denn so ist...

Mr. Eaglesave wandelt also durch die Korridore und Katakomben der City, weicht vielerlei gemeinen Energiefeldern und noch gemeineren Robotern aus, erschießt feindliche Priester-Fans oder holt sich aus Wegesrand wichtige Informationen (von heimlichen Unterstützern seiner Mission eingespeist), Stadtpläne und andere Nützlichkeiten. Vor allem aber knackt er jeden Tresor mit Hilfe von aufgefundenen Codes oder seinem sensiblen Panzerknackergehör - es könnte ja eine Adlerkeule drin versteckt sein! Tja, und das alles spielt sich weder besonders überzeugend, noch direkt schlecht.

Das beste Stück dieses Geflügelbratens sind jedenfalls die Animationen. Sehr realistisch, wenn auch nicht völlig ruckelfrei, trabt unser einsamer Retter in der Seitenansicht über den Screen. Auch das recht ausführliche Intro kommt gut rüber, die restliche Optik macht aber leider einen weit weniger spektakulären Eindruck: im Technostyle gehalten, irgendwie mittelmäßig und inspiriert. Als ob die Muse des Grafikers statt Küssen nur Bussis verteilt hätte, vermutlich hatte sie gerade Herpes. Auch die Steuerung über Tastatur oder Stich macht einen etwas kränklichen Eindruck, zumindest reagiert sie oft reichlich zäh. Ist aber kein Beinbruch, nach ihren Schüssen zu urteilen, haben die Feinde die selben Probleme...

Apropos Probleme, die scheinen auch die Programmierer bei der Einordnung ihres Werkes gehabt zu haben. Offensichtlich wollte man nämlich partout auch alle Nicht-Action-Adventurer bei der Stange halten, was zu einem typischen Kompromiß-Game geführt hat: Normalerweise stehen nur dürftige fünf Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung, zusätzliche Sonderoptionen wie Kriechen sind... eben Sonderoptionen. Schön, bei den Infosäulen darf man absaven oder sich gar mit einer Partie Reversi entspannen, aber ist das wirklich der Stoff, aus dem unsterbliche Softwareträume gemacht sind?

Wohl eher nein, daran ändern auch ein ganz hübscher Titelsound und allerlei mäßige FX nichts mehr. Nee, die ganze Wahrheit ist einfach, daß Golden Eagle keinen wirklichen Spaß macht, höchstens etwas Fast-Food-Laune - Eagle McNugget gewissermaßen. (jn)

Amiga Joker, March 1992, p.100

Amiga Joker
Golden Eagle
Grafik: 62%
Sound: 62%
Handhabung: 57%
Spielidee: 49%
Dauerspass: 55%
Preis/Leistung: 52%

Red. Urteil: 55%
Für Anfänger
Preis: ca. 89,- DM
Hersteller: Loriciel
Genre: Abenteuer

Spezialität: Drei Disketten, Codeabfrage, eine hübsche Karte der Stadt liegt bei.