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Ob einer in seinem Leben die Witwen gemacht oder sie nur getröstet hat, spielt für geschäftstüchtige Spielerhersteller keine große Rolle - sie versoften die Geschichte Robin Hoods genauso wie die des Paten, Hauptsache, der Mann hat was Interessantes erlebt...

The Godfather Und das kann man ja nun wirklich unbesehen glauben, daß der Vorstandsvorsitzende der ehrenwerten Gesellschaft eine Menge Anekdoten erzählen könnte; immerhin haben die Erlebnisse der Familie Corleone ausgereicht, um drei Kinofilme in Überlänge zu füllen. U.S. Gold hat noch einen draufgesetzt und sage und schreibe sechs Disketten "verbraten", um die bewegte Familiensaga stilgerecht in Szene zu setzen - für ein Actiongame wahrhaft rekordverdächtig!

The Godfather ist ein horizontal scrollendes Baller-Drama in fünf Akten: Es beginnt im New York der 40er Jahre, wo man sich von links nach rechts durch ein heruntergekommenes Slumviertel kämpfen muß. Angegriffen wird man dabei von allen Seiten, die Gangsterkonkurrenten schießen von links und rechts, oben und unten, aus vorbeifahrenden Autos und plötzlich geöffneten Fenstern. Zwischendurch geht es auch mal auf der Feuerleiter nach oben, später darf man einer Bar und dem Friseurladen einen Besuch abstatten, wo es natürlich ebenfalls nicht lange ruhig bleibt. Dieses Spielchen wiederholt sich dann in den folgenden vier Leveln, nur daß die Hintergründe und die herumwuselnden Personen wechseln - Las Vegas, Kuba, Miami und last but not least die "Familienvilla".

Trotz der überaus zahlreichen Gegner hat man bloß ein Leben und eine Pistole; zu allem Überfluß ist der Held von zwei Seiten verwundbar: Kriegt er zuviele blaue Bohnen aub, ist seine Lebensenergie bald futsch, legt er selbst zuviele "falsche" Gegner (Polizisten, junge Mütter) um, schwindet seine Mafiaehre dahin - das Ergebnis lautet in beiden Fällen Game Over. Nun ja, wenigstens liegen Energie & Ehre hier auch als Sammelgut auf der Straße herum. In punkto Grafik und Sound übertrifft der Patenonkel die meisten Actionspiele bei weitem, zur Einführung gibt es eine filmmäßige Kamerafahrt über die Skyline von New York, aber auch im Spiel selbst werden prachtvolle Hintergründe, erstklassige Animationen und schönes (nur leicht ruckelndes) Mehrfach-Parallax-Scrolling geboten. Lobeshymnen haben sich auch die atmosphärische Musik und die abwechslungsreichen Effekte verdient.

Tja, und sogar die Joysticksteuerung ginge noch einigermaßen - aber das Gameplay! Zum einen fühlt man sich an allen Ecken und Enden an indizierte "Operationen" erinnert, zum anderen ist The Godfather nicht nur wahnsinnig schwer, sondern auch furchtbar unfair. Die Kollisionsabfrage ist ein schlechter Witz, einerseits kann man vor den feindlichen Schüssen davonlaufen, andererseits wird man oft auf völlig unerklärliche Weise "getroffen". Schade, daß die Gigantonomie in Sachen Präsentation hier in keinem Verhältnis zur Spielbarkeit steht; so wird sich der Pate bei den Freunden der "Freundin" nicht allzuviele Freunde machen... (mm)

Amiga Joker, February 1992, p.30

Amiga Joker
The Godfather
Grafik: 90%
Sound: 84%
Handhabung: 39%
Spielidee: 57%
Dauerspaß: 50%
Preis/Leistung: 61%

Red. Urteil: 58%
Für Experten
Preis: ca 84,- dm
Hersteller: U.S. Gold
Genre: Action

Spezialität: Codeabfrage, Zweitlaufwerk wird unterstützt, keine HD-Installation möglich, keine Highscores.