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Mit dem "Software Manager" haben sich die Jungs von Kaiko den Ruf komplexer Wirtschaftssimulanten mit Blick für originelle Thematiken erworben – bloß mag ein digitales Reisebüro wie dieses zwar ungewöhnlich sein, es ist aber auch ungewöhnlich trockener Stoff...

D Flamingo tours aß in der Reisebranche nicht unbedingt die Geschichte des Abendlandes entschieden werden, weiß man bereits von Mutter Beimer aus der Lindenstraße; den großen Nervenkitzel darf man sich vom gewählten Szenario also kaum erwarten. Ehe wir nun aber den Meckermann machen, wollen wir doch erst mal nachsehen, was bei Flamingo Tours genau Sache ist.

Ausgestatte mit der anfangs obligatorisch schmalen Brieftasche, sollen bis zu vier Spieler ein Reiseimperium aus dem Datenspeicher stampfen. Dazu steht erst mal der Erwerb eines Kleinbusses auf dem Programm, den man vor dem frisch gemieteten Laden parkt, um potentielle Kunden in deren wohlverdienten Urlaub zu karren. Nun klärt ein Blick auf die letztjährige Reisestatistik den Veranstalter zwar darüber auf, daß die Deutschen ihre schönsten Wochen des Jahres vermutlich wieder am liebsten in Spanien oder der Ägaïs verbringen würden, doch wird kaum ein Kunde Zeit für bzw. Lust auf derart lange Reisen per Auto haben – für den Anfang kommen daher bloß Nahziele wie die deutschen Alpen, Nord- und Ostsee oder das wanderbare Österreich in Frage. Man bucht also mal Betten in den besagten Gegenden, wobei Hotels von ganz verschiedenen Güteklassen zur Wahl stehen. Klar, daß dabei auf die Kategorie des Hauses ebenso zu achten ist wie auf die Anzahl der Reservierungen, denn wenn die bestellten Liegen nicht belegt werden, ist mit einer happigen Konventionalstrafe zu rechnen. Jetzt kann man sich daran machen, den Preis für Übernachtungen und Anfahrt zu kalkulieren, wobei einerseits die Konkurrenz unterboten, andererseits aber noch Gewinn gemacht werden sollte. Um seine Angebote an den Mann zu bringen, bedarf es natürlich der Werbung, also dürfen Plakate bestellt, Anzeigen geschaltet sowie Radio- und Fernsehspots gesendet werden – die Preise schwanken je nach Medium, Umfang der erreichbaren Zielgruppe und Qualität der Reklame. So oder so werden aber wohl nur besonders tüchtige Reiseunternehmer um einen (nicht unbedingt zinsgünstigen) Bankkredit als Starthilfe herumkommen.

Flamingo tours Sobald die Arbit getan ist, geht es an die monatliche Auslastung des Busses, der Betten etc. errechnet wird, was letztlich zur Endsumme und dem aktuellen Kontostand führt. In diesem Sinne macht man nun immer weiter, wobei das Angebot nach und nach um Städte- und Fernreisen etc. ergänzt wird. Später wollen dann natürlich auch Flugzeuge gechartert und tunlichst neue Büros übers ganze Land verstreut werden. Wer das Risiko liebt, darf freilich auch luxuriöse Kreuzfahrten durch die Karibik oder das Nordmeer offerieren, welche aber teuer und daher nur für etwa ein Prozent der Kundschaft attraktiv sind. Der ganze Aufwand dient nun nicht allein dem Zweck, möglichst viel Kohle zu scheffeln, nein, es müssen auch Postkarten zufriedener Kunden müssen auch Postkarten zufriedener Kunden gesammelt werden. Derlei Grüße symbolisieren eine bestimmte prozentuale Auslastung eines Urlaubsgebietes, was je nach Schwierigkeitsgrad variiert – auf den beiden höchsten Stufen sind zudem die saisonalen Schwankungen des Reisemarkts zu berücksichtigen, daß hier keine “echten” Computergegner mitmischen, aber immerhin darf auch der Reiseleiter mal Kurzurlaub machen: Es können jederzeit bis zu fünf Spielstände angelegt werden.

Rein optish zeigt sich das Game von einer recht bunten Seite, was bose Zungen aber auch als verwirrend interpretieren können. Vor allem das Hauptmenü erinnert unwillkürlich an eine Fotocollage, wenngleich hier nette, nur leider arg winzige und völlig animierte Digibildchen für Urlaubsstimmung sorgen. Auf Sound muß man in diesem Reisebüro leider gánzlich verzichten, lediglich (übrigens durchaus flotte) Titelmusik ist vorhanden. Die Steuerung ist grundsolide, warum allerdings die Zahleneingaben nicht auch über die Tastatur zu erledigen sind, bleibt schleierhaft. Grundsolide, wenn nicht sogar hausbacken ist aber auch das Gameplay: Werbung schalten, Saisongebiete abchecken und Bettenkapazitäten organisieren sind nun mal nicht gerade die spannendsten Angelegenheiten, zumal Belohnungen für die Mühe komplett ausbleiben. Und so verkommt Flamingo Tours halt relativ bald zur Klick-Routine…
Tja, bei Kaiko wäre man gut beraten gewesen, sich ein Beispiel an Vorbildern wie “Pizza Connection” oder “Biing!” und die Sache nicht ganz so bierernst zu nehmen. Denn wo andernorts inzwischen ein wahres Gag-Feuerwerk zum Genre-Standard gehört, da vermögen die hier stets in gleicher Reihenfolge auftauchenden Zeitungsmeldungen (“Spielberg züchtet T-Rex”) und solche öden Zufalls-Ereignisse wie Streiks kaum Abwechslung in den Arbeitsalltag zu bringen. Was bleibt, ist eine eher biedere Wirtschaftssimulation, die immerhin durch Übersichtlichkeit besticht und sich nicht in irrelevanten Details verliert – nach einer gewissen Einarbeitungszeit haben die Spieler wirklich in jeder Situation Zugriff auf alle wichtigen Daten und Fakten. Doch ob das genügt, um Leute mit Fernweh vor den Monitor zu bannen? (mic)

Amiga Joker, May 1995, p.p.20-21

FLAMINGO TOURS
(KAIKO)
WIRTSCHAFTSSIMULATION
64%
"TROCKEN"
Amiga Joker
GRAFIK
ANIMATION
MUSIK
SOUND-FX
HANDHABUNG
DAUERSPAß
59%
  -
64%
  -
68%
65%
VARIABEL: 3 STUFEN
PREIS DM 89,-
SPEICHERBEDARF
DISKS/ZWEITFLOPPY
HD-INSTALLATION
SPEICHERBAR
DEUTSCH
1 MB
2/JA
NEIN
5 SPIELSTÄNDE
KOMPLETT