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Der Kampf um Rom ist nicht mehr alleinige Sache der PC-Besitzer – dank der ungetrübten Konvertierungswut bei Electronic Arts dürfen nun auch Amigianer nach dem Weltreich grabschen. Aber rentiert es sich auch, extra die Tunika aus der Reinigung zu holen?

Centurion Einen Blick auf den Kalender: Wir schreiben das Jahr 275 vor Christus. Ein Blick in den Spiegel: Wir sehen einen ehrgeizigen Zenturio, der sich anschickt, als großer Imperator in die Geschichtsbücher einzugehen. Ein Blick auf das Game: Eine Generalstabskarte zeigt die Staaten Europas und des Mittelmeerraumes; von hier aus werden die gloriosen Eroberungen geplant und per Maus in die Wege geleitet...

Um sich eine neue (tributpflichtige) Provinz einzuverleiben, muß zunächst deren Heer überwunden werden. In einer schön gezeichneten und animierten Kampfsequenz stehen sich die Armeen gegenüber; per Menü wählt man für seine Römer eine erfolgsversprechende Basis-Taktik, und schon beginnt die Keilerei. Sollte die Lage kritisch werden, kann man jederzeit unterbrechen und den Kohorten individuelle Befehle erteilen – oder gar den Rückzug anordnen. Jede Legion darf pro Runde (Jahr) eine Eroberung versuchen oder ihre gelichteten Reihen auffüllen; unbestechlich wie immer, entscheidet der Computer dann über Sieg oder Niederlage. Erfolge ziehen Beförderungen nach sich, und mit einem höheren Dienstgrad ist auch die Rekrutierung weiterer Armeen möglich. Gelegentlich kann man sich aber um die Prügel drücken, indem man mit dem gegnerischen Befehlshaber redet und einen Beitritt für seine Provinz aushandelt (nach Artikel 23 Grundgesetz oder so).

Centurion Natürlich wird das Schicksal Roms nicht allein am Schlachtfeld entschieden, die dekadente Bevölkerung giert nach Entertainment: Da bieten sich die berühmten Wagenrennen oder Gladiatorenkämpfe an; um aber an den hübschen Actioneinlagen teilnehmen zu können, müssen schon tüchtig Sesterzen in der Kasse klingeln. Wer es daneben noch schafft, sich die diversen auswärtigen Lieblingsfeinde vom Hals zu halten (Stichwort: „Hannibal“), dürfte beim Griff nach dem Lorbeerkranz kaum noch zu stoppen sein. Und genau hier liegt, trotz verschiedener Schwierigkeitsstufen, die größte Schwäche des Games: Sobald man mal raus hat, wie der Hase läuft, werden spielerische Herausforderungen zur Mangelware – das gilt für Strategie und Action gleichmaßen!

Schade, denn die Präsentation kann sich durchaus sehen lassen: Stimmungsvolle Grafiken, schicksalsträchtige Melodien und netter Hintergrundlärm bei den Schlachten und Actionszenen erfreuen Auge und Ohr. Auch die Steuerung bereitet keinerlei Probleme, nur macht es Centurion dem aufstrebenden Imperator etwas zu leicht – schon bald schmilzt das Interesse an dem Sandalen-Epos wie Schnee in der Frühlingssonne. Tja, mit einer Mehr-Spieler-Option wäre Rom ganz sicher nicht an einem Tag erbaut worden... (jn)

Amiga Joker, July 1991, p.52

Amiga Joker
Centurion
Grafik: 71%
Sound: 69%
Handhabung: 70%
Spielidee: 62%
Dauerspaß: 56%
Preis/Leistung: 57%

Red. Urteil: 58%
Variabel
Preis: ca. 89,- DM
Hersteller: Electronic Arts
Genre: Mixtur

Spezialität: Zwei Disketten, neun Spielstände können gesaved werden. Eine beiliegende Weltkarte dient der Paßwortabfrage, nur die (im Manual oft zitierte) Command Summary Card fehlte leider.