Bring me to the Main Page   Bring me to the Reviews Index

Baby Jo logo

Noch 'n Plattformgame? Noch 'n Plattformgame! Wiedermal ein Vertreter der süß- und knuddelig-Branche? Genau! Na denn, nehmen wir uns Loriciels Mischung aus "Chuck Rock" und "Wonderboy" halt mal zur Brust.

Baby Jo Zur Brust nehmen trifft den Kern der Sache, denn hier geht es um einen Säugling mit Heimweh. Mutterseelenalleine steht der kleine Baby Jo in der Pampa und wartet auf einen freundlichen Joystick, der ihn wieder Richtung Heimat dirigiert. Machen wir uns also auf die pummeligen Beinchen...

Vier recht umfangreiche Level muss der verwaiste Held durchspringen bzw. durchlaufen, und überall wollen ihm große und kleine Gefahren an die mickrigen vier Leben. Auf dem Land kämpft sich der Fratz durch angriffslustige Bienenschwärme und Giftpflanzen, im zweiten Level durch garstiges Spinnenvolk. Lavaräume und andere höhlentypische Widrigkeiten. Richtig stressig wird es dann in der Stadt, wo fiese Gewitterwolken und böse, böse Autos den heimwehkranken Dauerläufer den Weg mulmig machen. Schließlich trennt ihn nur noch eine Pickwickwiese mit Riesenmücken, Ameisen und anderem Getier vor der heiß ersehnten Mutterbrust.

Baby Jo Schlußgegner sind zwar überhaupt nicht unterwegs, aber dennoch: Dieses "Kinderspiel" ist alles andere als ein Kinderspiel! Sicher, Baby Jo verkraftet schon ein paar Feindberührungen, bevor er aus den Windeln kippt, und ganz wehrlos ist es natürlich auch nicht. Auf der Strecke liegen die obligatorischen Extras herum, etwa Superwindeln, um höher springen und schneller laufen zu können, ein Schutzmantel für kurzfristige Unverwundbarkeit oder Wurfrasseln, die so manchen Gegner in die Flucht schlagen. Leckereien und Vollmilch sind auch nicht zu verachten, denn der Kleine entwickelt einen gesunden Appetit, und ohne Vitamine ist bald wieder ein Leben futsch. Aber Vorsicht: Zuviel der guten Tortenstücke kann ebenfalls in die Pampers gehen, dann läuft Baby Jo nur noch mit gebremster Begeisterung - jedenfalls so lange, bis man in einer der versteckten Bonushöhlen eine Ersatzwindel besorgt. Und schließlich ist das vereinsamte Kleinkind so einsam nun auch wieder nicht: Gelegentlich taucht Jock the Duck auf und gibt Tips, wo z.B. Extraleben zu ergattern sind.

Wie nicht anders zu erwarten, ist die Grafik farbenprächtig, aber geradezu eklig süß. Für hierdurch entstandene Zahnschmerzen entschädigen die witzige Animationen: Wenn Baby Jo in ein Lagerfeuer fällt und mit brennendem Hintern gegen Himmel jagt, kann sich selbst der eingeschworenen Kinderhasser ein schmunzeln kaum verkneifen! Überhaupt sind alle Sprites herzallerliebst, dazu hat jede Level seine eigene schwungvolle Musik. Wäre da nicht ein paar unfaire Stellen, wäre die Steuerung nicht so haklig, das (multidirektionale) Scrolling etwa weniger rucklig und das Leveldesign ein bißchen origineller - Baby Jo hätte die neue Plattformkönig werden können. So reicht es halt leider nur für "ferner hüpften". (rl)

Amiga Joker, November 1991, p.78

Amiga Joker
Baby Jo
Grafik: 63%
Sound: 67%
Handhabung: 58%
Spielidee: 50%
Dauerspass: 59%
Preis/Leistung: 55%

Red. Urteil: 59%
Für Fortgeschrittene
Preis: ca. 99,- DM
Hersteller: Loriciel
Genre: Geschicklichkeit

Spezialität: Passwörter für Levelanwahl, Pausefunktion. Highscores werden gespeichert. Anleitung und Bildschirmtexte in deutsch.